Otfried Höffe

Die hohe Kunst des Verzichts

Kleine Philosophie der Selbstbeschränkung
Cover: Die hohe Kunst des Verzichts
C.H. Beck Verlag, München 2023
ISBN 9783406807466
Gebunden, 192 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Auch wenn über den Verzicht neuerdings wieder viel geredet und vor allem viel gestritten wird: Es ist erstaunlich, dass er einen derart schlechten Ruf genießt. In der Geschichte der Ethik und in der Tradition der Religionen spielt der Verzicht dagegen eine ganz erhebliche Rolle. Otfried Höffe nimmt jene bemerkenswerten Defizite daher zum Anlass für eine Reihe von geistesgeschichtlichen Rückblicken, um uns an die Bedeutsamkeit und die historische Vielfalt von Formen und Verständnissen der Selbstbeschränkung zu erinnern. Vom Verzichten als Mäßigung der Leidenschaften oder als religiöse Askese über die rechtliche Einschränkung der eigenen Freiheit bis hin zur großen Verzichtsaufgabe, die wir im Angesicht von Klimawandel und Artensterben nicht ignorieren dürfen: Ottfried Höffes kurze Geschichte des Verzichts zeigt, dass ein gelingendes Leben ohne die hohe Kunst der freiwilligen Selbstbeschränkung nicht auskommen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2023

Mit seinem Lob des Verzichts liegt der Philosoph Otfried Höffe im Trend, so Rezensent Gustav Seibt. Das Buch des Philosophen beschäftigt sich mit Kulturanalyse einerseits, mit Gedanken zur Lebensweisheit in humanistischer Tradition andererseits, führt der Rezensent aus. Höffes Begriff des Verzichts wäre vielleicht mit Sublimierung besser beschrieben, findet Seibt, weil der Mensch in vielen Fragen keine andere Wahl hat, als zu verzichten, etwa wenn Affekte der Rache aufs Strafrecht umgeleitet werden. Weiterhin moniert Seibt, dass Norbert Elias nicht vorkommt und auch Goethes Entsagung in dieser sonst so gründlich die Geistesgeschichte durcharbeitenden Studie nicht erwähnt wird. Stattdessen fordert Höffe, lernen wir, unter anderem die Presse zum Meinungsverzicht und den Rundfunk zum Gendersprachenverzicht auf; letzteres leuchtet Seibt nicht ganz ein, denn: Verzicht fordern können in diesem Fall beide Seiten. Manchmal kann Verzicht, lernt der Rezensent vom Autor, ein heimlicher Gewinn sein, zum Beispiel, wenn man erkennt, wie wenig man eigentlich braucht. Wobei Seibt ergänzend anmerkt: Die Lebenszeit ist nun einmal beschränkt, jede Wahl, die wir treffen, bedeutet automatisch Verzicht auf Alternativen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2023

Einen Lob des Verzichts hat Otfried Höffe verfasst, berichtet Rezensentin Ulla Fölsing. Der Philosoph und FAZ-Autor Höffe hält Verzicht für eine zentrale anthropologische Kategorie, lernen wir, und er führt aus, dass er sowohl im Recht als auch in Moral und Religion eine zentrale Rolle spielt. Besonders jedoch die Herausforderungen unserer Zeit im Zuge von Umwelt-, Flüchtlings- und anderen Krisen jedoch bedürfen laut Höffe, so Fölsing, einer neuen Kultur des Verzichts, die nun nicht mehr nur Individuen, sondern auch Staaten und letztlich die Weltgesellschaft hervorzubringen haben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2023

Otfried Höffes Buch über den Verzicht hebt sich angenehm von einschlägigem Feuilletongeplauder ab, lobt Rezensent Thomas Ribi. Der Philosoph stellt laut Ribi klar: Ohne Verzicht geht es nicht, er gehört zum Menschen dazu. Das wird laut Ribi philosophiegeschichtlich und auch mit Blick auf die Tierwelt erläutert. Höffe zeige dabei auf, dass der Begriff des Verzichts viele Facetten habe. Als empirische Beispiele werden auch die Krisen der Gegenwart diskutiert, was dem Kritiker klar macht: Verzicht wird auch weiterhin ein Thema bleiben.

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