Die sieben Todsünden
Menschheitswissen für das Zeitalter der Krise

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498006969
Gebunden, 400 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Mit Abbildungen. Wir leben im Zeitalter der Krise - und haben doch kaum eine Vorstellung davon, wie wir dem Imperativ des "Immer mehr" entkommen können. Dabei kannten unsere Vorfahren, wie Annette Kehnel zeigt, doch Mittel und Wege. Sie nimmt uns mit auf eine Reise in die Antike und ins Mittelalter, wo sie jahrtausendealtes Menschheitswissen entdeckt - ausgerechnet in den sieben Todsünden, die sie als Lehre vom Umgang mit der Naturgewalt Mensch neu interpretiert. Jede der Todsünden spiegelt eine Bedingung unserer menschlichen Existenz: So geht es bei luxuria (Wollust) letztlich um maßvollen Konsum, bei avaritia (Habgier) um die Einsicht, dass Besitz und Reichtum beschränkt werden müssen; ira (Zorn) bearbeitet Aggression und Gewalt, invidia (Neid) die Kehrseite von ungezügeltem Wettbewerb und superbia (Hochmut) unser Streben nach Status und Macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2024
Naiv findet Rezensent Stephan Speicher das Buch von Annette Kehnel. Was die Autorin hier zusammenrührt, von Pythagoras und dem Judentum als Zeugen des Vegetarismus bis Prometheus, den Zeus aus Friedensliebe bestraft, überzeugt Speicher ganz und gar nicht. Die Idee, mit altem Menschheitswissen gegen das Zeitalter der Krisen ins Feld zu ziehen, findet Speicher dabei gar nicht so schlecht. Nur geht es eben nicht an, meint er, sich Mythen und Weltwissen so hinzubiegen, wie es einem gerade passt. Argumentation und politische Folgerungen bekommen so bedenklich Schlagseite, ärgert sich Speicher.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.09.2024
Rezensentin Julia Voss hat viel Freude mit Annette Kehnels Buch, das in die Vergangenheit blickt, um den Problemen der Gegenwart zu begegnen. Die Mittelalterhistorikerin wendet sich dabei, lernen wir, nicht nur ihrem Spezialgebiet zu, sondern geht auch noch weiter zurück, bis in die Antike. Strukturiert ist das Buch laut Voss entlang der sieben Todsünden, auf dem historischen Streifzug, den Kehnel unternimmt, begegnen wir unter anderem Orpheus und Eurydike, oder auch Hildegard von Bingen. Das auch erzählerisch überzeugende Buch beschreibt laut Voss, wie die Menschen gefühlten Störungen der göttlichen Ordnung in der Vergangenheit mit umfangreichen Regelwerken begegneten, außerdem lassen sich mithilfe ihres Buches überraschende historische Parallelen ziehen, unter anderem von Gladiatorenkämpfen zum Veggie Day. Insgesamt ist das ein Buch, das zeigt, dass die Gegenwart durchaus noch etwas von der Vergangenheit lernen kann, freut sich Voss. Wenn das Konservativismus ist, dann nur her damit, so das Fazit.