Otto Dov Kulka

Landschaften der Metropole des Todes

Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft
Cover: Landschaften der Metropole des Todes
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2013
ISBN 9783421045935
Gebunden, 192 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Die Metropole des Todes, das ist Auschwitz-Birkenau. Als Kind wird Otto Dov Kulka zusammen mit seiner Mutter erst in das Ghetto Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert. Er überlebt die zweimalige Liquidierung des sogenannten Familienlagers und verlässt Auschwitz schließlich im Januar 1945 auf einem Todesmarsch. Lange Zeit hat er über seine Erlebnisse geschwiegen, sich als Historiker allein streng wissenschaftlich mit dem Mord an den Juden befasst. In diesem außergewöhnlichen Text erkundet Kulka nun die Fragmente seiner Erinnerung an Auschwitz, die wiederkehrenden Träume und Bilder, die sein Leben begleiten und unauslöschlich prägen. Eine beeindruckende literarische Reflexion, die unsere Wahrnehmung der Vergangenheit verändert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2013

Verstört hat Uwe Justus Wenzel die Erinnerungen des israelischen Historikers Otto Dov Kulka gelesen, der 1943 im Alter von zehn Jahren nach Auschwitz deportiert wurde und erst in den neunziger Jahren die Kraft fand, seine Geschichte aufzuarbeiten. Vor allen Dingen verstört den Rezensenten daran der traumähnliche "Zauber", von dem Dov Kulka im Rückblick an seine Kindheit in dem Lager an vielen Stellen erzählt. In dem Buch kann er förmlich zusehen, wie sich die Zunge des Historikers behutsam löst und der "mythische Bann" des langen Schweigens gebrochen wird. Dabei lobt er die Vielstimmigkeit und Komposition der Darstellung und die illustrierenden Fotografien. Zu einem abschließenden Wort habe sich der Autor offensichtlich nicht durchringen können, erkennbar sei aber die pessimistische Ansicht, dass sich die Welt von dem, was im Holocaust geschah, nie erholen wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.05.2013

Otto Dov Kulkas Kindheitserinnerungen an Auschwitz haben Alexandra Senfft tief beeindruckt. Dass der Historiker, der über seine Erfahrungen im Lager lange geschwiegen hat, seine Erinnerungen nun doch noch vorlegt, kann sie nur begrüßen. Kulka gelingt in ihren Augen mit einer Sprache, die karg und doch poetisch ist, ein eindringliches Bild des nationalsozialistischen Gewaltregimes und der Vernichtung der Juden. Das Buch vermittelt für sie zudem, wie sehr die verinnerlichten, extrem traumatischen Erfahrungen des Lagers das gesamte Dasein des Autors geprägt haben. Das Fazit der Rezensentin: ein "herausragendes Zeugnis".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

In einem persönlichen Essay wirbt die Osteuropa-Historikerin Katarina Bader für diese Erinnerungen des israelischen Historikers Otto Dov Kulka an seine Kindheit in Auschwitz, an deren Veröffentlichung sie nach eigenem Bekunden nicht ganz unschuldig ist. Außergewöhnlich ist dieser Text für Bader gleich in mehrfacher Hinsicht: Kulka hat als Historiker alle privaten Zeugnisse, Filme oder literarischen Erzählungen über den Holocaust oder Auschwitz ignoriert. Nicht einmal in Jad Vashem hat er sich die Ausstellung angesehen, weiß Bader, die dementsprechend auch keinerlei Klischee in Kulkas Erinnerung findet, keine bekannte Phrase, kein zu oft bemühtes Wort. Alles sei ganz frisch, ganz neu, versichert Bader, die so etwas noch nicht nicht gelesen: Die ungefilterten Eindrücke eines Jungen, der als Zehnjähriger nach Auschwitz gebracht wurde, verbunden mit den ganz eigenen Reflexionen eines erwachsenen Historikers.

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