Seit der Wende zum 20. Jahrhundert stand die "katholische Kultur" unter den deutschen Katholiken im Zentrum der Diskussion. Im protestantisch geprägten deutschen Kaiserreich war den als antimodern, fortschrittsfeindlich und ultramontan geltenden Katholiken häufig der Zugang zu Wissenschaft, Literatur und Kunst versperrt. Über die Notwendigkeit, Anschluss an die "deutsche Nationalkultur" zu erhalten, bestand weithin Einigkeit, über die Wege dorthin jedoch tobten erbitterte Grabenkämpfe. Diese wurden vor allem in neu gegründeten Zeitschriften ausgetragen, allen voran im Hochland unter der Leitung von Karl Muth und in der Schöneren Zukunft, herausgegeben von Josef Eberle. Otto Weiß zeichnet den Weg der katholischen Intellektuellen in die deutsche Kultur von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des Dritten Reichs nach und stellt die Protagonisten und Wortführer vor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.03.2015
Offenbar mit großem Interesse hat Rezensent Rudolf Neumaier die unter dem Titel "Kulturkatholizismus" erschienene Studie des achtzigjährigen Wiener Historikers Otto Weiß gelesen. Der Kritiker erfährt hier, wie kritische Werke vom Vatikan lange auf den Index verbotener Bücher gesetzt wurden, stattdessen seichte Erbauungsliteratur protegiert wurde und katholische Wissenschaftler infolgedessen hinter ihren protestantischen Kollegen zurückblieben. Dieses Buch, das den langwierigen Weg der Katholiken in die Kultur der Gegenwart nachzeichnet, baut auf den von Otto Weiß im Nachlass entdeckten Notizen des Historikers Walter Goetz auf, informiert der Rezensent.
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