Aus dem Norwegischen von Klaus Anders und Thomas Fechner-Smarsly. Gilt nicht die Orgel als Instrument, das alle anderen umfasst und zu imitieren vermag? In seinen Gedichten weitet sie der norwegische Lyriker Øyvind Rimbereid zum poetischen Bild aus, wird die Orgel zum Klangkörper für die ganze Welt: Mal Vermittlerin des Trostes, mal Medium der Zerstörung, mal steht sie für eine aufgegebene Industrie, mal für den Siegeszug des Kolonialismus. Man könnte "Orgelsee" ein Konzeptalbum nennen: In teils weit ausgreifenden Gedichten klingen philosophische Ideen nach und hallt die weltumspannende Kommunikation technischer Apparaturen wider. Doch zugleich bleibt die Orgel, was sie ist: eine Quelle der Musik, elektrisch wummernd auf der Bühne einer Rockband oder wenn in einer Kirche leise Bach gespielt wird.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.06.2025
Rezensent Nico Bleutge bleibt im Bild, das Oyvind Rimbereid in seinem Gedichtband "Orgelsee" bearbeitet, wenn er den norwegischen Dichter einen "Organisten" nennt. Sein Instrument, die Sprachorgel, beherrscht der Autor meisterhaft, lesen wir. Ein Virtuose ist er, der in seinen Gedichten verschiedenste Themen anspielt, zwischen Tonleitern und Tempi wechselt, und immer wieder neue interessante Klänge hervorbringt. Ab und an mögen seine Verse ein wenig zu mimetisch an "direkten Aussagen haften", findet der Rezensent, doch die vielen feinen Töne machen derlei Schwächen wieder wett. Beeindruckt zeigt sich Bleutge insbesondere auch von der Präzision, mit der Rimbereid Phänomene der Gegenwart erfasst und in Verbindung bringt - Machtmissbrauch etwa, und Selbstausbeutung, die Klimakatastrophe und die Totalität des Kapitalismus. Dass Rimbereids "Rinnsteingesang" auch im Deutschen angemessen zum Klingen kommt, haben wir und hat der Rezensent den Übersetzern Klaus Anders und Thomas Fechner-Smarsly zu verdanken.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester…