Postkoloniale Theorie ist in den letzten Jahren im akademischen Raum zu einem äußerst einflussreichen Ansatz geworden. Diese Denkschule, mit der Entwicklungen im globalen Süden erklärt werden sollen, ist insbesondere für ihre Kritik an universalisierenden Kategorien der Aufklärung bekannt. Genau hier setzt Vivek Chibber am Beispiel der "Subaltern Studies" theoretisch und historisch an und weist analytische Fehlschlüsse und historische Missverständnisse in ihren zentralen Argumentationen nach. Politisch will er damit die Perspektive eines proletarischen und antikapitalistischen Internationalismus im Sinne von Marx verteidigen, die seiner Ansicht nach von postkolonialer Theorie verbaut wird.
Die neumodischste Linke wird hier mit dem Instrumentarium der überkommenen Linken marxistischer Spielart kritisiert, und das nach Ansicht des Rezensenten Christopher Wimmer mit durchaus überzeugenden Argumenten, wenn auch manchmal in etwas ermüdend ausführlichem Duktus. Chibbers Kritik am postkolonialen Diskurs besonders in der Form der "Subaltern Studies" betrifft zwei Argumentationsstränge, erläutert der Rezensent, einerseits werfe Chibber den Postkolonialen eine Überbetonung des Kulturellen vor, so dass sie am Ende im Grunde wieder in Mustern lande, die vom Konservatismus bekannt seien. Andererseits verkennen die Postkolonialen das Wesen des Kapitalismus, so Wimmer, der hier den Autor paraphrasiert: Anders als der Postkolonialismus glaube, sei der Kapitalismus gar nicht so homogenisierend. Er halte sogar eine Menge Differenzen aus, solange er die Leute ausbeuten könne. Wimmer schließt sich dieser Kritik und vor allem Chibbers Plädoyer für eine "gemeinsame Menschlichkeit" an.
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