Die Autorin analysiert und kritisiert in diesem Buch den Status quo der Menschenwürde und plädiert auf eine Neubesinnung und Neubestimmung. Die als Moderne begriffene funktional differenzierte Weltgesellschaft ihrem Selbstverständnis nach antitotalitär verliert eben dieses Profil mit einem Menschenbild, das die Differenz von Verfügbarem (Menschenmaterial) und Unverfügbarem (Menschenwürde) aufgehoben und durch den Diskurs ersetzt hat. Wenn alles verfügbar wird, verschwindet die Unverfügbarkeit zum Beispiel der Menschenwürde damit besteht beispielsweise die Gefahr, dass der Mensch zu Ersatzteillager werden kann. Erst die Diskussion über den Menschen auf der Grundlage einer erkenntnistheoretisch reflektierten Systemtheorie kann verhindern, dass der unvermeidliche Paradigmenwechsel ein Unverfügbares (Menschenwürde) durch ein Verfügbares (Menschenmaterial) ablöst.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2005
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Alfred Hirsch von Gertrud Brüchers Studie "Menschenmaterial", in der die Hagener Philosophin von der Beobachtung einer zunehmenden Erosion des Unterschieds zwischen Mensch und Nichtmensch ausgeht. Wie Hirsch bemerkt, steht im Bereich der Biopolitik seit einiger Zeit in Frage, was als eigentliches Wesen des Menschen gelten soll. Brücher sehe hier eine erstaunliche Nähe zwischen dem befruchteten Ei im Bauch der Mutter und dem "ungesetzlichen Kombattant": Das eine, so erklärt uns Hirsch den Gedanken der Autroin, befinde sich im Status des Noch-nicht-Menschseins und der andere im Status des Nicht-mehr-Menschseins. Beiden sei gemein, referiert Hirsch, dass sie wie ein "Objekt vernutzt, instrumentalisiert und vernichtet" werden dürfen. Aus dieser Beobachtung gewinne Brücher eine Ethik der Menschenwürde. Als eine der Stärken von Brüchers Studie nennt Hirsch die Beschreibung der faktischen und normativen Veränderung sozialer, kultureller und politischer Systeme.
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