Aus dem Französisschen von Dirk Hemjeoltmanns. Eine Zwischenlandung an der nordafrikanischen Küste. Dreißig Jahre zuvor - kurz nach dem 1. Weltkrieg - hatte sich der Ich-Erzähler geschworen, nie wieder an diesen Ort zurückzukehren, wo er seine Jugend gelassen, die schlimmsten Jahre seines Lebens erlitten hatte. In einer rasanten Rückblende wird der Leser immer tiefer in einen atemraubenden Strudel exzessiver Gefühle, vielleicht des Wahnsinns hinabgerissen.
Paul Morand schrieb diesen "kleinen Roman über eine erotische Besessenheit" im Jahr 1953, zu einem Zeitpunkt also, als seine größeren literarische Erfolge und seine Karriere im diplomatischen Dienst der Vichy-Regierung einige Zeit hinter ihm lagen, erfahren wir von Rolf Vollmann. Vor allem zwei Dinge scheinen dem Rezensenten an diesem, passagenweise "außerordentlich brillanten" Buch bemerkenswert: Erstens das große Vergnügen des Autors an weltmännischen Sentenzen, zweitens aber, dass seinem Helden der Hauch des großen Lebens nicht viel nützt in seinem kleinen Dasein, wenn ihn denn die Leidenschaft aus der Bahn wirft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2002
Als "Prosajuwel" würdigt der mit "tlx" zeichnende Rezensent Paul Morands Roman "Die Besessene" von 1954, der jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Morand schildert darin eine orgiastische amour fou zwischen dem Ich-Erzähler Jean-Jacques Spitzgartner und seiner Gespielin Clotilde, die hemmungslos ihre sexuellen Phantasien ausleben, berichtet der Rezensent. Zunächst scheint alles bestens, doch bald laufen sich ihre nicht mehr steigerungsfähigen Exzesse leer, die Liebe erhebt ihr hässliches Gesicht: haltlos driftet das Paar schließlich auseinander. Morand schildere den destruktiven Ablauf stilsicher in wunderschönen Sätzen, lobt der Rezensent. Die wahren Abgründe dagegen, findet er, belasse Morand hingegen in einem Schwebezustand des Unausgesprochenen und nur Angedeuteten.
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