Aus dem Französischen von Bernd von Wilczek. Zwei Essays, einer vor und einer nach dem Kosovo-Krieg geschrieben. Die Satellitenbilder im Fernsehen suggerierten einen unbestechlichen Blick, lieferten aber keineswegs eindeutige Daten über die Lage in Serbien und im Kosovo. Information als Apokalypse denkt die Möglichkeiten der Informationstechnologie zu Ende - bis zu jenem Punkt, an dem sich die Wirklichkeit in vernetzten Rechnern verflüchtigt und die politische Macht jenen zufällt, die über diese Netze herrschen. Die Strategie der Täuschung erklärt, wie und mit welchen Konsequenzen sich diese Prognose im Kosovo-Krieg erfüllte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.06.2000
Hans-Jürgen Heinrich bespricht das Buch zusammen mit Boris Groys` "Unter Verdacht - eine Phänomenologie der Medien" (Carl Hanser Verlag.
1) Boris Groys: "Unter Verdacht"
Soweit man die etwas geschraubte und abstrakte Besprechung des Rezensenten versteht, entwickelt Groys in seinem Buch eine Psychologie des Verdachts, die von den Medien vorangetrieben und durch einen Austausch der Zeichen immer neu in Szene gesetzt werde. Heinrichs bemängelt dabei, dass Groys so sehr mit der Übertragung einer ethnologischen Begrifflichkeit auf die Medienwelt beschäftigt sei, dass er es vergesse, bestimmte Phänomene wie etwa die "Event-Kultur" zu analysieren. Dabei findet Heinrichs gerade den Begriff des Verdachts für eine solche Analyse geeignet.
2) Paul Virilio: "Information und Apokalypse"
Virilios Buch deutet Heinrichs eher als eine etwas einzelgängerische Polemik gegen "wissenschaftliche Spitzenleistungen", die das eigentliche Kriterium der Wissenschaft - nämlich den "Auftrag, dem Menschen und dem Leben zu dienen" - längst aus den Augen verloren hätte. Unter anderem macht Virilio nach Heinrichs` Skizze seiner Gedankengänge dafür die unrettbare Verquickung moderner Wissenschaft mit der "Todes-", also der Kriegswissenschaft verantwortlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2000
In einer Kurzkritik weist der Rezensent mit dem Kürzel "lx." vor allem auf Virilios Analyse der Bedeutung der Medien in den jüngsten kriegen hin. Nicht die herkömmlichen Waffen seien heute für den Ausgang des Krieges entscheidend, sondern der "Krieg der Wellen", die Eroberung der Deutungshoheit in den Medien. Diese in dem Essay "Strategie der Täuschung" These finde in dem zweiten und namengebenden Essay des Bandes, "Information und Apokalypse", eine weitere Ausführung.
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