Peter Gülke

Mein Weimar

Cover: Mein Weimar
Insel Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783458178170
Gebunden, 172 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Der Dirigent, Musikwissenschaftler und Schriftsteller Peter Gülke, Nachfahre der Familie Vulpius, vergegenwärtigt sich in diesem Buch die prägenden Erfahrungen seines Lebens: die Kindheit in einer Stadt, die "der Führer" so gern besuchte; die Jugend in der stalinistischen DDR; der Musikerberuf im gelenkten Staat; 1983 dann der Entschluss, das Land zu verlassen, weil der Druck seitens der Stasi unerträglich geworden war; 1990 Rückkehr in sein "fernes, nahes, geschändetes, geliebtes Weimar", das eine andere Stadt geworden ist. Immer wieder öffnen sich Aussichten auf vergangene Epochen, treten Goethe, seine Frau Christiane Vulpius, Herder, Schiller, Schopenhauer auf den Plan, aber auch Schubert, Bach, Mendelssohn - wie überhaupt Porträts von Musikern und brillante Musikbeschreibungen einen weiteren Schwerpunkt des Buches bilden. Ein wiederkehrendes Motiv sind die Besuche auf dem Ettersberg und dabei der Versuch, sich "das Unfassliche" des Menschheitsverbrechens zu erklären.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2019

Rezensent Stephan Speicher verdankt dem Dirigenten und Musikwissenschaftler Peter Gülke einen "intimen" Blick auf Weimar. Von der "verschwörerischen Atmosphäre" und besonderen Inszenierungen in der DDR berichtet ihm Gülke, der 1983 nach einem Auftritt in Hamburg im Westen blieb, ebenso, wie er das "monolithische Bild" des Westen auf die DDR-Gesellschaft kritisiert. Es ist denn auch Gülke Blick auf Einzelfälle, das dieses Buch für Speicher einzigartig macht: Er liest hier etwa von Gülkes Kindergärtnerin, die in jenen Jahren, als die Nazis in den Kindergarten kamen, um die Kinder zu inspizieren, eine Atmosphäre von "Fröhlichkeit und Selbstvertrauen" verbreitete. Mit Interesse liest der Rezensent auch Gülkes Gedanken zum ästhetischen Konservatismus in Weimar, gern hätte er allerdings etwas über die frühen Erfolge des Nationalsozialismus in Thüringen und Weimar erfahren.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2019

Wolfgang Schreiber freut sich, dass der Dirigent Peter Gülke seine Sprache nicht verloren hat vor lauter Bitterkeit über seine Heimat Weimar und ihre Geschichte. Buchenwald, Nazi-Vergangenheit, Stasi, sozialistische Musikwissenschaft, Goethe, Schiller - all das kommt laut Schreiber vor in Gülkes Erinnerungen, die Schreiber für ihren intellektuellen Scharfsinn preist, für ihren persönlichen, emotionalen Zugriff, der Erschütterung zulässt und auch Wehmut beim Gedenken an Kant, Hegel und das humanistische Erbe.

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