Das erste Mal war Peter Handke im März 1998 für einige Tage als Besucher des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, und vier Jahre später reiste er zum Prozess gegen Slobodan Milosevic erneut dorthin, gleich in den ersten Tagen nach der Eröffnung und fast ein halbes Jahr danach, als die Zahl der anwesenden Journalisten und Kamerateams deutlich geschrumpft war. Doch sieht Handke sich nicht als "Prozessberichterstatter"; er setzt auf den genauen Augenschein, auf die Wirklichkeit hinter den Bildern, auf das Erzählen: von Prozesszeugen, die zufällig im selben Hotel wohnen, von den muslimischen Albanern aus Racak etwa oder vom serbischen Forstarbeiter, der plötzlich den hundertmal begangenen Forstweg nicht wiedererkennt. Nicht ums Urteilen geht es Peter Handke, sondern um das "Wegfallen oder Wegdenken eines Vorurteils", das das "tiefste Gefühl von Befreiung" schafft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.05.2003
"Unverzichtbar". So beurteilt Uwe Schütte die Schrift Peter Handkes, in der dieser seine Wahrnehmungen rund um die Prozesse beim Internationalen Strafgerichtshof gegen Slobodan Milosevic veröffentlicht. Der Rezensent lobt Handkes Sensibilität und ist offenbar auch angetan davon, dass Handke Parallelen zieht zwischen Richtern bei Strafgerichtshöfen, TV-Gerichtsshows und Literaturkritikern, die er als "Literaturrichter" bezeichne und die allesamt die neuen "Helden" oder "Stars der neuen Mediengesellschaft" seien. Offensichtlich enthält Handkes Werk in diesem Zusammenhang eine Schmähung Reich-Ranickis, auch wenn dessen Name nicht explizit genannt werde. Für Schütte jedenfalls steht Handke "immer auf der Seite der Wahrheit". Na dann.
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