Peter Schneider

Die Frau an der Bushaltestelle

Roman
Cover: Die Frau an der Bushaltestelle
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN 9783462005905
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Peter Schneiders neuer Roman ist die Geschichte einer dramatischen Dreiecksbeziehung im Spannungsfeld von politischen Erweckungen und Verirrungen, Liebe und Verrat, Idealismus und Libertinage. Er erzählt von zwei Liebenden, die nicht miteinander leben, aber auch nicht voneinander lassen können. Die Geschichte kompliziert sich dadurch, dass sie von einem engen Freund des Liebespaares erzählt wird, der sich von Anfang an selbst in Isabel, "die schönste Frau der Stadt", verliebt hat. Bei seiner Recherche über die lang zurückliegenden Begebenheiten stößt er auf eine Art Liebesverrat seines Freundes an Isabel, der ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. So entfaltet sich in der Mitte der Sechzigerjahre eine Odyssee aus Liebe, Freundschaft, Eifersucht und politischer Unruhe. Mit Besonnenheit blickt Schneider auf diese frühen Jahre zurück, in denen jeder Liebesschmerz der größte, jede Glückserfahrung endgültig und jeder Verrat der unverzeihlichste war. Was er vorfindet, ist eine Zeit, die geprägt ist von den ungeheuerlichsten Verbrechen der Menschheit und drei Repräsentanten einer Generation, die nach Abgrenzung, Rebellion, aber vor allem nach Liebe und Zugehörigkeit sucht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2026

Rezensentin Rose-Maria Gropp wünscht Peter Schneiders Roman junge Leser, denen der Autor laut Gropp ein Verständnisangenbot macht. Das Abgleichen von Fiktion und der historischen Wirklichkeit der sechziger Jahre in der Bundesrepublik funktioniert im Text ganz gut, meint sie. Die teils autobiografisch gefärbte, "spannungsreiche" Geschichte um einen "weichen Zauderer" um das "Stichjahr" 1968 herum bietet ein vielschichtiges Stimmungsbild der Achtundsechziger, findet Gropp, auch wenn der Autor es mit der historischen Präzision hier nicht immer so genau nimmt, wie man es von Schneider gewohnt ist, so Gropp.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.11.2025

Rezensent Helmut Böttiger sieht in Peter Schneiders neuem Buch einen gelungenen Roman über die Wirren der 68er-Zeit: Im Zentrum steht Isabel, die der Ich-Erzähler auf einer Party kennenlernt, sie ist mysteriös, elegant, anziehend. Sie findet aber auch keinen wirklichen Weg für sich, erst, als sich die Rote Armee Fraktion bildet, weiß sie, wo sie hingehört, lesen wir. Ein "sehr differenziertes Psychogramm" entwirft der Autor hier, findet Böttiger, der diesen sinnlichen und nachdenklichen Roman gerne gelesen hat. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.11.2025

Peter Schneider kann den hier rezensierenden Carsten Hueck mit seinem Alterswerk nicht für sich einnehmen. Zwar werde hier aus einer erzählerischen Retrospektive recht glaubwürdig der "Flair" der 60er Jahre aufgerufen, mitsamt (zum Scheitern verurteilter) persönlicher und politischer Utopien und entsprechender Diskussionen - sie dienen als Setting für eine Dreiecksbeziehung des sich erinnernden Ich-Erzählers mit seinem besten Freund Nick und der aus der DDR kommenden Isabell, die sich später radikalisiert. Daraus hätte vielleicht ein literarisches Spiel mit der Erinnerung und ihren Verzerrungsmechanismen werden sollen, aber das funktioniert für den Kritiker nicht recht; "unklar" bleibe, ob zum Beispiel Zahlendreher in der Amtszeit Willy Brandts oder der Umstand, dass es in der FU-Cafeteria zu der Zeit schon Espresso oder Cappuccino gegeben haben soll, Absicht oder nur Fehler sind. Auch die Figuren bleiben trotz dramatischer Erlebnisse eher blass, kritisiert der Rezensent und urteilt harsch: "lauwarmer Kaffee".

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