Zum Menschen gehört die Sehnsucht. Die Erde ist seine Heimat und sein Exil. Nie ist der Mensch hier vollends zu Hause, deshalb ist er umtriebig; immer noch höher, noch schneller, noch mehr von dem, was er schon hat! Doch das Paradies ist verloren, als irdisches unerreichbar, und so verwildert die Sehnsucht. Sie schlägt um in eine "Wut", darauf ausgerichtet, alle natürlichen Widerstände durch titanische Technologien niederzuringen. Der Mensch ist willens, sich an die Stelle der Götter zu setzen: Homo Deus, das utopische Geschöpf des Anthropozän. Und nun, mit einem Schlag, ist aus der "Epoche des Menschen" eine Epoche des Virus geworden. Im Internet kursieren apokalyptische Fantasien. Geheimdienste, Geheimlabors und geheime politische Mächte rücken zusammen, Dämonisches flackert. Ist des Teufels Party bereits in vollem Gange?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.11.2020
Rezensent Ernst Rommeney liest Peter Strassers apokalyptische Visionen mit Gruseln, aber auch mit Gewinn. Wie Strasser die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen resümiert und dagegen heißherzig Humanismus und konservative Werte predigt, gefällt Rommeney. Strassers versammelte Zeitungsessays aus den Jahren 2016 bis 2019 über Ressourcenverschwendung, soziale Ungleichheit, Nationalismus und die Gefahren von Big Data scheinen dem Rezensenten zwar drastisch in ihrem Beschreibungsfuror, doch deshalb nicht weniger bedenkenswert.
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