Sieben bedeutungsvolle Küsse der Literaturgeschichte von Marguerite Duras bis Heinrich von Kleist hat Peter von Matt für sein neues Buch ausgewählt. Eigentlich ist Küssen ja ein Alltagsgeschäft. Und dennoch sind wir fest davon überzeugt, das Leben nach dem Kuss sei ein besseres als zuvor. Daran hat auch die Literatur ihren Anteil, denn in zahllosen Geschichten nimmt das Schicksal nach dem entscheidenden Kuss einen neuen Lauf. Einmal mehr erweist sich Peter von Matt als Meister der kenntnisreichen und eleganten Interpretation, aus der Neugierige genauso viel lernen wie erfahrene Leser: ob es nun um Literatur geht, die Liebe - oder um Osculologie, die Wissenschaft vom Küssen.
Rezensent Ulrich Greiner hat sich gern von Peter von Matt literarisch küssen lassen. Der Germanist und gelehrte Kenner der Weltliteratur lässt ihn hier mit ebenso viel Eleganz wie Subtilität an sieben "literarischen Extremküssen" von Kleists "Marquise von O." bis Fitzgeralds "Der große Gatsby" teilhaben und führt dabei kenntnisreich in die Interpretationsgeschichten der behandelten Werke ein, schwärmt der Kritiker. Dass Küssen gefährlich sein kann, lernt er auch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2017
Steffen Martus möchte die von Peter von Matt unter besonderer Berücksichtigung des Kuss-Motives analysierten Texte am liebsten sofort selbst lesen. Gut und von Kennerschaft zeugend findet er nicht nur Matts Auswahl der Texte von Kleists "Marquise von O…" bis Woolfs "Mrs. Dalloway", sondern auch den Umstand, dass der Autor mitnichten eine literaturhistorische Kussgeschichte schreibt. Die Psychologie der Sehnsucht, zu der Matt laut Martus über die Individualität des jeweiligen Werkes und getragen von einer "melancholischen" Einsicht in die Verfassung des Menschen gelangt, beglückt den Rezensenten voll und ganz. Wann immer der Autor vom Konkreten zum Allgemeinen wechselt, gerät die Deutung allerdings schwächer, räumt Martus ein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2017
Roman Bucheli lässt sich von Peter von Matt mitten ins Dasein führen. Den Umweg über die Literatur und über das Motiv des Kusses nimmt er gerne in Kauf. Schon weil der Autor sein Fach, die Weltliteratur, versteht und zu deuten weiß. Matts analytische Schärfe und Zurückhaltung kommen Bucheli zugute, wenn der Autor verborgene Bezüge innerhalb von und zwischen Texten herstellt, Irrungen der menschlichen Seele mit ihrer Hilfe deutet oder den Kuss als Knack- und Wendepunkt in Werken von Tschechow, Kleist oder Virginia Woolf definiert. So macht die Kunst der Interpretation so viel Spaß wie die Texte selber, meint Bucheli.
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