Philip Manow liest Thomas Hobbes politische Schriften im Lichte der Texte Sigmund Freuds. Dabei zeigen sich erstaunliche Parallelen: Philosoph und Psychoanalytiker erzählen beide von einem Ursprung der Gesellschaft, der nicht nur als politisches, sondern auch als religiöses Bündnis zu verstehen ist. Wurde Hobbes Erzählung vom Naturzustand bisher meist auf ihren politischen Anteil, also die ersten beiden Bücher des Leviathan reduziert, kommt Manow in seiner Lektüre des gesamten Werkes zu dem Schluss, dass die Überwindung der Gewalt durch den Vertrag eines jeden mit einem jedem auch theologisch begründet wird: Der Leviathan ist eine (sterbliche) Interimsgottheit, die zwischen dem ersten und zweiten Königreich Gottes herrscht. Und diese Verschränkung von Politik und Religion ist auch für die freudsche Ursprungsphantasie konstitutiv.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2012
Wie der Bremer Politikwissenschaftler Philip Manow Hobbes' Leviathan als Produkt einer Zeitenwende deutet und damit dessen politische Philosophie als ihrer Zeit höchst gemäß ausweist, hat den Rezensenten Michael Pawlik überzeugt. Verdienstvoll und bemerkenswert findet er Manows Nachweis, dass Hobbes' Formel vom "Krieg aller gegen alle" nicht in der Anthropologie wurzelt, sondern in der großen Politik seiner Zeit. An weiteren anregenden Befunden scheint ihm der Band reich zu sein.
Johannes von Müller stellt diese Studie, ohne sich zu einem Urteil durchringen zu können, Einände erhebt er allerdings nicht. Philip Manow geht in seiner Untersuchung politischen Ursprungsphantasien nach, die Gesellschaften bestimmen, und zwar Thomas Hobbes' "Leviathan" und Sigmund Freuds "Totem und Tabu". Die unerwartete Kombination erklärt Rezensent Müller damit, dass beide Theoretiker in ihren Schriften die Vorstellungen verarbeiten die sie sich von den amerikanischen Ureinwohnern machten. Mit Interesse folgt Müller der These des Autors, dass sich Gesellschaften ihre Ursprungsmythen - wie Hobbes' Kampf aller gegen aller - nicht geben, um ihre existenz zu erklären, sondern um sich zu legitimieren.
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