Für immer mehr Frauen und Männer ist Pornografie ein Freizeitabenteuer geworden, eine neue Variante, sich zu zeigen und sexuell auszuleben. Amateurplattformen dienen als Kontaktbörse, Verkaufsfläche und Werbeplattform. Aus den Profis einer noch vor wenigen Jahren boomenden Branche sind Verlierer und aus ganz normalen Menschen Mini-Pornoproduzenten und Amateurdarsteller geworden, die man virtuell treffen und mit denen man auch real Sex haben kann.
Philip Siegel geht mit seinem Buch "Drei Zimmer, Küche, Porno" auf eine Entdeckungsreise in einen Kosmos, in dem Normalität und Exzentrik oft nur eine Wohnungstür voneinander entfernt liegen. Er blickt hinter die Kulissen einer verborgenen Branche, die unser Verhältnis zur Sexualität sowohl spiegelt als auch immer stärker beeinflusst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2017
Dietmar Dath erfährt bei Philip Siegel allerhand Aufschlussreiches über Porno. Dass der Journalist Siegel auf Augenhöhe mit Darstellerinnen, Darstellern und Produzenten der sub- und halbprofessionellen Pornoszene über Selbstverwirklichung, Ökonomie und Genuss in der Branche spricht, findet Dath respektabel, auch wenn der Autor mitunter Wahrnehmungsfilter einzieht, wie der Rezensent feststellt. Über Frauenfeindlichkeit am Set etwa hätte er hier gern mehr gelesen. Abgesehen davon aber erhält Dath von Siegel Porträts von Menschen, die ihre Arbeit weder als Avantgarde oder Kunst noch als Sonderlingshobby begreifen.
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