Pierre Guyotat

Idiotie

Cover: Idiotie
Diaphanes Verlag, Zürich 2023
ISBN 9783035801859
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Anne Krier. In seinem letzten Buch erinnert Pierre Guyotat seine Erfahrungen als junger Rekrut der französichen Armee in der Endphase des Algerienkriegs. Konfrontiert mit militärischem Drill, dumpfer Schikane und blankem Sadismus, interniert wegen Ungehorsam, zehrt der Neunzehnjährige von der Gewissheit seiner künstlerischen Berufung. Während er mit großer Sympathie den Freiheitsjubel der algerischen Bevölkerung beschreibt, erlebt er den Rückzug der französischen Armee als eine so stumpfe wie luzide Zeit. Nachdem Claude Simon im Jahr 1967 aus Protest gegen die Nichtberücksichtigung von "Grabmal für fünfhunderttausend Soldaten" die Jury des renommierten Prix Médicis verlassen hatte, erhielt Pierre Guyotat den Preis über 50 Jahre später für "Idiotie".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.07.2023

"Dunkle, dichterische Funken" sieht Rezensent Peter Henning aus Pierre Guyotats letztem Buch schlagen. Der wegen der Drastik und Obszonität seiner Texte umstrittene französische Autor schildert in dieser autobiografisch geprägten Erzählung auf überraschend sensible Weise die Ausgangspunkte seines lebenslang währenden "Ich- und Lebensekels", so der Kritiker. Nachdem der junge Pierre aus dem Kreis seiner Familie verbannt wurde, kämpft er als Soldat im Algerienkrieg. In Bildern von "gleißender Schärfe" und in "wildem Lyrismus" verarbeitet Guyotat seine Erinnerungen an das Grauen des Soldatendaseins, so Henning. Ein letzter Einblick in die Gedanken des "großen Unglücklichen" Guyotat, der 2018 verstarb, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2023

Rezensent Niklas Bender feiert die deutsche Ausgabe des letzten "großen" Textes von Pierre Guyotat, Weggefährte Philippe Sollers'. Autobiografisch, episodisch (und oft ohne Verknüpfungen), drastisch, so Bender, erzählt der Autor darin von einer psychischen Krise zwischen 1958 und 1962, von der Identifikation mit dem biblischen Joseph und ekstatischen Landschaftserfahrungen. Vor dem Hintergrund der Algerien-Krise schreibt Guyotat auch von Begehren und von der Befreiung im und durch den Text, lässt uns Bender wissen.
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