Aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. "Gott unser Vater, der Schöpfer, der seinen einzigen Sohn auf die Erde entsandt hat, um uns zu erretten, ist in großer Not." So spricht ein Mann, der im Oktober 1988 plötzlich auf der Türschwelle des jungen Juristen Pieter Waterdrinker auftaucht und diesem sogleich ein höchst fragwürdiges Jobangebot unterbreitet: 7.000 Bibeln sollen ins sowjetische Leningrad geschmuggelt werden. Was sich anhört wie der Beginn eines absurden Spionageromans, ist in Wirklichkeit Auftakt zu einem abenteuerlichen Leben zwischen Ost und West. Waterdrinker nimmt den Auftrag an - und ist plötzlich mittendrin in der dubiosen Geschäftswelt der späten Sowjetunion. Nach deren Zusammenbruch und seiner persönlichen Pleite wird er in der Russischen Föderation Korrespondent der größten niederländischen Tageszeitung.Wie passend, ist doch die Tschaikowskistraße, wo Waterdrinker noch immer mit seiner Frau Julia und seinen Katzen wohnt, ein Epizentrum der russischen Geschichte. Dort lebten nicht nur der Wunderheiler Rasputin und die Geliebte des Zaren Nikolaus II., die Straße war auch einer der bedeutendsten Schauplätze der Oktoberrevolution.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2020
Rezensentin Christiane Pöhlmann liest Pieter Waterdrinkers autobiografischen Geschichtsroman über die Jahre rund um den Zerfall der Sowjetunion im Vergleich zu Arthur Isarins "Blasse Helden". Waterdrinkers Protagonisten zeichnen sich im Gegensatz zu Isarins Helden vor allem durch "Katzenliebe und Herzblut" aus, verrät die Kritikerin, um den Vergleich dann auch wieder fallen zu lassen. Erzählt wird die Geschichte eines niederländischen Journalisten wie Waterdrinker, der in den späten Achtzigern damit beauftragt wird, siebentausend Bibeln in die Sowjetunion zu schmuggeln. Er heiratet eine Russin, pendelt zwischen Russland und den Niederlanden und bleibt zeitweise in der titelgebenden Tschaikowskystraße 40 hängen, ein Haus, in dem sich Arme und Reiche und die "Geister des Zarentums, des Kommunismus und der neuen Zeit" treffen, erfahren wir. Davon ausgehend erzählt der Autor in Zeitsprüngen von der Februarrevolution 1917 bis hin zum "wilden russischen Kapitalismus", fesselnd, detailreich und verschwenderisch, wie Pöhlmann ergänzt. Dass Leidenschaft und Fantasie bisweilen zu Lasten der stilistischen Eleganz mit Waterdrinker durchgehen, kann die Kritikerin verzeihen.
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