Irina Rastorgueva

Pop-up-Propaganda

Epikrise der russischen Selbstvergiftung
Cover: Pop-up-Propaganda
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751820370
Gebunden, 337 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Während innerhalb Russlands das Verbot kritischer Medien und die Gleichschaltung der verstaatlichten Sender eine beinahe karikaturhafte Erzählung über traditionelle Werte und die Notwendigkeit der "Militärischen Spezialoperation" hervorbringen, arbeiten sorgfältig geplante Propagandaaktionen im Rest der Welt an der Destabilisierung demokratischer Gesellschaften. Ein planmäßiger Wahnsinn überzieht das Land. Er zeigt sich in inflationär gebrauchten Euphemismen und Hassrede, als Denunziation und in einem bis ins Subtilste durchdachten Strafregime. Und es ist ein Wahnsinn mit Geschichte. Denn die Gewalt, die die russische Gesellschaft unerbittlich im Griff hat, ist eine Fortführung der paranoiden Suche nach Feinden, der nächtlichen Verhaftungen, Durchsuchungen und Folterungen sowie der Gulags aus dem Sowjetregime - in grellem, neuem Gewand und verschmolzen mit dem Gangstertum der Neunzigerjahre.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.02.2025

Rezensentin Sieglinde Geisel muss sich die interessanten Thesen im Buch der russischen Kulturjournalistin Irina Rastorgueva über die Propaganda in ihrem Land leider mühsam selber herausfiltern aus einer weitgehend unstrukturierten (unlektorierten?) "Textflut". Die Mischung aus sarkastischen Meinungen der Autorin, Fakten, Nachrichten, Studien und Mitteilungen von Freunden überfordert Geisel und birgt zunächst auch nichts Neues. Spannend wird es laut Geisel im letzten Drittel. Da bietet Rastorgueva eine "halbwegs" sytematische Analyse der russischen Propaganda, befasst sich mit der Justiz und der  Gewaltherrschaft im Land. Die wichtigste Frage steht ganz am Schluss, so Geisel: Wieso gibt es so wenig Widerstand? Die Antwort ist vielfältig, erkennt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.12.2024

Ein lohnendes, aufklärerisches Buch über russische Propaganda hat Irina Rastorgueva laut Rezensentin Alexandra Wach geschrieben. Die russische Journalistin zeichnet laut Wach ironiebewusst nach, welche Lügen und Legenden Putin verbreiten lässt, um seine Macht zu zementieren. Zu den Themen, die der collagenhafte, teils auf eigenem Erleben basierende Band vereint, zählen Wach zufolge Putins anti-LGBT-Hetze, die Rede vom bösen Westen, der Revolutionen anzettele und von Raptoiden bevölkert sei, Propaganda an Schulen, die Hinwendung zur Esoterik und die Kollaboration der orthodoxen Kirche mit dem Regime. Die Propaganda gerät zwar immer wieder mit der Realität in Konflikt, liest Wach bei Rastorgueva, eine echte Gefahr für Putin sei das allerdings nicht, weil letztlich einfach zu viele mitmachen. Etwas mehr Struktur hätte dieser imposanten Materialsammlung gut getan, findet die Rezensent, die das Buch dennoch allen, die mehr über das gegenwärtige Russland lernen möchten, zur Lektüre empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2024

Irina Rastorgueva sammelt und dokumentiert Lügen, erklärt Rezensent Stefan Plaggenborg - Verschwörungsmythen, Fake-News, Propaganda, Hass- und Hetzreden voller absurder Behauptungen, Anschuldigungen und Misinterpretationen, in den Medien, in der Schule, im Gericht, in Kirche, Film, Privatleben - mit größter Sorgfalt führt uns die im Exil lebende russische Autorin die Allgegenwärtigkeit der Falschinformationen und der Gewalt in Russland vor Augen, sowie deren fatale Folgen für die Menschen, insbesondere für die Minderheiten in diesem Land. Derart komprimiert entwickelt diese Masse an Lügen, dieses "Zeugnis einer Scheinwelt" eine ungeheure, nahezu erdrückende Wucht, beschreibt der Rezensent, dazu bedarf es keiner Analysen, die schnörkellose Beschreibung allein genügt, um sich zu fragen: Wo soll hier jemals Widerstand entstehen können, wenn die Opposition zersplittert, tot, im Exil oder im Gefängnis ist? Es ist ein deprimierendes, ein realitätsschweres Buch, so der Rezensent, dem das postmodern plauderhafte Nachwort leider so gar nicht steht. Angemessen hingegen findet der Rezensent das chaotische Vorgehen bei der Transliteration russischer Begriffe.

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