Rafik Schami

Die geheime Mission des Kardinals

Roman
Cover: Die geheime Mission des Kardinals
Carl Hanser Verlag, München 2019
ISBN 9783446263796
Gebunden, 432 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Noch herrscht Friede in Syrien. Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt 2010 ein Fass mit Olivenöl angeliefert, darin die Leiche eines Kardinals. Kommissar Barudi will das Verbrechen aufklären; Mancini, ein Kollege aus Rom, unterstützt ihn und wird sein Freund. Auf welcher geheimen Mission war der Kardinal unterwegs? Wie stand er zu dem berühmten Bergheiligen, einem Muslim, der sich auf das Vorbild Jesu beruft? Bei ihrer Ermittlung fallen die beiden Kommissare in die Hände bewaffneter Islamisten. Rafik Schamis neuer Roman erzählt von Glaube und Liebe, Aberglaube und Mord und führt uns tief in die Konflikte der syrischen Gesellschaft und in das berufliche Schicksal und die Liebe eines aufrechten Kommissars.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.08.2019

Rezensent Moritz Baumstieger scheint recht unbeeindruckt von Rafik Schamis Kriminalroman zu sein. Der syrisch-deutsche Autor erzählt in seinem Buch von einem Kommissar, der in Damaskus kurz vor dem Bürgerkrieg im Fall eines ermordeten römischen Kardinals ermittelt und dabei zu neuen Lebenseinsichten gelangt. Dass um der Authentizität willen andauernd Landestypisches verspeist werden muss, findet der Rezensent etwas Krimi-klischeehaft. Auch die Antagonisten ("sabotierende Geheimdienste", "bigotte Führer", "mauernde Diplomaten") und die Figurenzeichnung des Kommissars als alternder, reflektierender "lone wolf" überraschen ihn wenig. Trotzdem kann Baumstieger dem Roman gewisse Wahrheiten abgewinnen, zum Beispiel in der Analogie zwischen Mafia und Diktatur. Auch die im Roman auftauchende These, dass Aberglaube und Fanatismus in besonders elenden Gesellschaften, aber eben auch im übersättigten Westen gut gedeihen könnten, findet Baumsteiger zwar "nicht besonders originell, aber keinesfalls falsch".
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.08.2019

Stephanie von Oppen kann das Lob für Rafik Schamis Roman nicht verstehen. Die am Vorabend des Syrienkrieges in Damaskus spielende Geschichte um einen toten römischen Kardinal in einem Olivenölfass überfrachtet der Autor laut Rezensentin mit Wissen über die politischen Verhältnisse in Syrien, mit einer konstruiert wirkenden Liebesgeschichte und mit einer altbackenen Männerfreundschaft zwischen den beiden Ermittlerfiguren. Schamis opulente Erzählkunst kommt dagegen nicht an, und alle Spannungsmomente im Buch lösen sich unvermittelt auf, bedauert Oppen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.08.2019

Für Petra Pluwatsch ist das Besondere am neuen Roman von Rafik Schami nicht etwa der Fall eines verstümmelten italienischen Kardinals und die Suche nach den Tätern, auf die sich der mit sich selbst und seiner Arbeit hadernde Ermittler Barudi in Damaskus macht, so stringent, spannend und "orientalisch-ausufernd" das Ganze erzählt auch sei. Der Schatz liegt laut Pluwatsch in Schamis Alltagsbeobachtungen aus Syrien vor dem Bürgerkrieg. Schamis scharfer Blick und seine Analyse der Gemengelage aus Wunderheilern, Geheimdiensten, Sippenwirtschaft und dem aufkommenden IS nehmen die Rezensentin gefangen. Der Kummer des Exilanten bleibt für sie darin spürbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2019

Rezensent Oliver Jungen lernt die "Sinnlichkeit" des Vorkriegssyrien kennen im neuen Roman von Rafik Schami. Als Krimi um einen christlichen Kommissar, der den Mord an einem italienischen Kardinal aufklären soll - der sich wiederum auf der Suche nach einem mysteriösen Bergheiligen nach Syrien begeben hatte -, kann das Buch den Kritiker zwar nicht überzeugen: Zu viele Exkurse, zu vorhersehbar, mitunter zu "onkelhaft" im Stil, meint er. Wie Schami hier allerdings islamische, alawitische und christliche Perspektiven miteinander in Dialog treten lässt, findet Jungen klug. Die Zerrissenheit des Landes vor dem Krieg kann ihm der Autor ebenfalls anschaulich machen.
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