Sebastian Christ, Oliver N.

Meine falschen Brüder

Wie ich mich als 16-Jähriger dem Islamischen Staat anschloss
Cover: Meine falschen Brüder
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2017
ISBN 9783462051193
Gebunden, 288 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Oliver N. ist 15 und in einer Lebenskrise, als er über einen alten Freund Kontakt zu einer Moschee in Wien bekommt. Bei den Brüdern dort fühlt er sich aufgehoben und verstanden. Er tritt zum Islam über, verändert seine Lebensweise und Ansichten radikal. Bald kreisen die Gespräche um das Kalifat, den Islamischen Staat in Syrien und Irak, und Oliver will nichts anderes, als den Brüdern in ihrem Kampf helfen und dort in der Gemeinschaft der Gläubigen leben. Über die Türkei wird er nach Syrien geschleust und landet dort in einer internationalen Brigade, in der junge Kämpfer aus Deutschland, Belgien, England, Kanada, Mexiko und sogar Australien zusammenfinden. Seine Begeisterung kühlt rasch ab, als er miterlebt, wie Menschen brutal gequält und ermordet werden. Bei einem Bombentreffer schwer verletzt, gelingt es ihm durch eine List, Syrien zu verlassen. Nun muss er nur noch dem österreichischen Konsulat in Istanbul klarmachen, dass er tatsächlich derjenige ist, der auf der Interpol-Fahndungsliste steht … Nach 20 Monaten im Gefängnis erzählt er in diesem Buch von seiner Radikalisierung und Umkehr.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.10.2017

Selten hat Rezensent Daniel Müller so tiefe Einblicke in den Alltag des IS bekommen wie in diesem Buch des Aussteigers Oliver N. Der Kritiker liest hier die Geschichte des jungen Österreichers, der, überwiegend im Heim aufgewachsen, im Alter von sechzehn Jahren in Syrien ankommt, als Krankenfahrer eingesetzt wird, erlebt wie Menschen im Krieg sterben und Dieben die Hände abgehackt werden und sich nach einem Anschlag, bei dem er schwer verletzt wird, den Behörden stellt. Gelegentlich erscheint dem Rezensenten der Autor wie ein "naiver Abenteurer", vor allem aber staunt er, wie radikal "transparent" und "selbstkritisch" er seinen Weg in den Terror schildert. Einige Lücken macht Müller in dem Bericht schon aus, so sagt Oliver nichts zur Situation der Frauen in Syrien, als "Lehrstück über die Verführbarkeit" junger Menschen kann er das Buch aber uneingeschränkt empfehlen.

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