Mit einem Geleitwort von Walter Scheel. Wachsende Enttäuschung über die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe resultiert im Wesentlichen aus falschen Prämissen und Hoffnungen, falschen Zeitvorstellungen und der Verkennung der unvermeidlichen Zielkonflikte. Schon die Grundannahme war falsch, dass es so etwas wie eine "Dritte Welt" überhaupt gäbe. Es gibt eine Vielzahl von Ländern, die in unterschiedlichem Maße entwickelt sind, falls man die Industrieländer als Maßstab heranzieht. Vor allem wurde die Dritte Welt als Forderungskartell sehr unterschiedlicher Partner postuliert, die häufig wenig mehr verband als die Behauptung, ihre Probleme seien von den Industrieländern verschuldet und müssten von diesen mit Geld gelöst werden. Ihre institutionalisierte Form fand diese Interessengemeinschaft in den Vereinten Nationen, die es in den 70er Jahren fast geschafft hätten, ein internationales Umverteilungsbüro zu verwirklichen. Kurzfristige Lösungen gibt es nicht. Wir müssen erkennen, dass wir die Probleme der "Dritten Welt" nicht lösen könnten, selbst wenn wir unseren ganzen materiellen und geistigen Besitz umverteilen würden. Hilfe kann immer nur Hebammenfunktion haben. Darauf muss Entwicklungshilfepolitik in Zukunft stärker als bisher ausgerichtet werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2007
Rezensent Detmar Doering ist beeindruckt von dieser Analyse, die einen eher pessimistischen Blick auf den Status Quo und die Wirkungsmacht von Entwicklungshilfe wirft. Die Autoren, die als hohe Beamte die deutsche Entwicklungshilfepolitik jahrzehntelang mitgestalteten, haben offenbar oft genug mit ansehen müssen, wie Entwicklungshilfe nur der Stabilisierung ineffizienter und korrupter Regierungen half. Das bedeutet nicht, dass man nicht helfen soll, erklärt Doering. Nach Ansicht der Autoren solle man sich eher auf den "erfolgversprechenden Bereich internationaler Ordnungspolitik" konzentrieren und soziale Hilfe sehr viel sparsamer und zielgenauer bringen.
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