Du willst ein Mann werden, sagt der Vater, und setzt damit eine Entwicklung in Gang, die Rudi Gelder aus den Tempeln von Kirche, Kommunismus und Kunst vertreibt. Wanderjahre, die den Helden vom ideologisch umkämpften Einzelkind zum heimatlosen Überlebenskünstler der Jahrtausendwende reifen lassen. Sex, Liebe und Eifersucht, Tod. Die Zeit der großen Aufbrüche. Ein Buch über jene, die als Kinder der Macher nicht die neuen Macher stellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2001
"Schwermut ist das Schlimmste, was es gibt.", konstatiert die Großmutter der Romanfigur. Genau in dieser Schwermut sieht auch Sandra Kerschbaumer die Geschichte des Rudi Gelder versinken. Während seiner Kindheit spricht der Ich-Erzähler fein und liebevoll detailgenau, mit seinem Erwachsenwerden verlieren aber sowohl das Buch als auch sein Protagonist an Ruhe und Unbefangenheit, meint die Rezensentin. Der soziale Abstieg, der mit dem Älterwerden und dem Ende des geteilten Deutschlands einhergehe, mache aus dem Poeten letztendlich einen Schmierfetthändler. Eventuell kann man im Verhältnis zwischen formalem und inhaltlichem Fortschreiten des Buches eine Aussage entdecken, so Kerschbaumer. Welche, sagt sie nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2001
Marcus Sander lobt in einer knappen Rezension diesen Roman, der die Entwicklung eines Jungen in der DDR von 1963 bis zum Mauerfall schildert, in den höchsten Tönen. Das Buch überzeuge durch seinen "kunstvollen" Aufbau aus 29 Episoden und der Autor würde weder "beschönigen" noch "belehren, so der Rezensent begeistert. Er versteht den Roman als autobiografisch, wobei er angetan bemerkt, dass die "subtile" Ironie des Erzählers auch seine Hauptfigur nicht ungeschoren lässt.
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