Bereits zehn Jahre vor dem gescheiterten Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944, im Sommer 1934, gab es einen Versuch von Kräften innerhalb des Regierungsapparates des Deutschen Reiches, das nationalsozialistische Regime gewaltsam zu stürzen. Ihr organisatorisches Zentrum hatten diese Pläne in der Dienststelle von Franz von Papen, dem konservativen Vizekanzler und gescheiterten "Beaufsichtiger" Adolf Hitlers während der ersten eineinhalb Jahre seiner Regierungszeit.
Den Kern dieser Verschwörung, von der Papen selbst nichts wusste, bildeten der Münchener Schriftsteller Edgar Jung (Papens Redenschreiber), der Nachrichtendienstler Herbert von Bose (Papens Pressechef), Boses rechte Hand Wilhelm Freiherr von Ketteler, sowie der schlesische Gutsbesitzer Fritz Günther von Tschirschky (Papens Adjutant). Zusammen mit einigen Gleichgesinnten bauten diese das Ministerium Papens hinter dem Rücken ihres Chefs bis zum Frühjahr 1934 zu einer getarnten oppositionellen Zelle aus, die systematisch auf die Beseitigung der Regierung, deren hochgestellte Mitarbeiter sie offiziell waren, hinarbeitete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2017
Daniel Koerfer erfährt aus der Dissertation von Rainer Orth, dass sich unter Franz von Papen 1933/34 eine gut verzweigte Opposition organisierte, also bereits zehn Jahre vor dem 20. Juli. Da sich der Autor auf akribisch zusammengestelltes Material stützt, wie Koerfer erklärt, die Biografien der um 1900 Geborenen geschickt mit der Geschichte des Vizekanzleramts verknüpft, einen riesigen Anmerkungsapparat hinterherschickt und dramatisch und spannend zu erzählen weiß, fällt es dem Rezensenten leicht, ihm zu folgen. Vor allem den Teil ab 1934 empfiehlt Koerfer dem geneigten Leser, da hier der weitere Weg einiger Beteiligter skizziert wird, wie er schreibt. Das Scheitern der Gruppe um Herbert von Bose, Edgar Jung, Wilhelm von Ketteler und Fritz Günther von Tschirschky kann der Autor dem Rezensenten nachvollziehbar darstellen: Die Verschwörer konnten ihren Mund nicht halten und neigten zur Selbstüberschätzung. Dass Orth allerdings die Popularität Hitlers bei seinen Überlegungen außer Acht lässt, kann Koerfer nicht begreifen.
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