Thomas Mann

Deutsche Hörer!

Radiosendungen nach Deutschland
Cover: Deutsche Hörer!
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103976854
Gebunden, 272 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Neuausgabe. Mit einem Vorwort und einem Nachwort von Mely Kiyak. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verließ Thomas Mann Deutschland und kehrte nie wieder zurück. Im Schweizer Exil verlor der deutsche Literaturnobelpreisträger 1936 seine Staatsbürgerschaft. Er emigrierte weiter nach Amerika, von wo aus er ab 1940 seine Anti-Kriegsreden sendete. In 58 verzweifelten, glühenden humanistischen Appellen redete er den deutschen Hörern bis November 1945 ins Gewissen. Seine Radioansprachen, auf abenteuerlichen Wegen von der BBC nach Europa übertragen, sind einzigartige Dokumente eines aufrechten Deutschen. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2025

Rezensent Dirk Knipphals sähe Thomas Manns Radioansprachen an die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges gern als Schullektüre. Was der Zauberer aus dem Exil an seine Hörer verlautbaren ließ, jetzt neu ediert und kommentiert nachzulesen, zeigt für Knipphals einen etwas anderen Thomas Mann, einen, der nicht jedes Wort mit Gold aufwiegt, sondern der seinem Abscheu gegen Hitler und das NS-Regime freien Lauf lässt und auch mal von "Teufelsdreck" und "hohler Nuss" spricht, wenn er den GröFaZ meint. Mann im Kampfmodus also, dessen Argumente und Freiheitsbegriff sich laut Knipphals sehr gut in unserer Gegenwart hören lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2025

Höchste Zeit, dass Thomas Manns Radioansprachen an die deutschen Hörer während des Zweiten Weltkriegs wieder in Buchform vorliegen, findet Rezensentin Sandra Kegel. Wie Mely Kiyak in ihrem Nachwort darstellt, ist dieser Teil des Schaffens Manns nach wie vor weitgehend unbekannt, dabei handelt es sich nicht zuletzt um wichtige historische Dokumente - in insgesamt 55 Ansprachen von jeweils fünf bis acht Minuten Länge klärte Mann die Deutschen über die Kriegslage und deutsche Verbrechen auf, redete ihnen ins Gewissen. Kegel weißt nach der Lektüre darauf hin, dass Mann insbesondere auch die millionenfache Ermordung von Juden thematisiert, was die Ausrede der Nachkriegszeit, man habe ja nichts gewusst, als Unwahrheit enttarnt. Kegel geht auf die Produktionsbedingungen der Reden ein, aber auch auf ihren Inhalt: Mann verwendet Sprache hier ganz anders als in seinen Romanen, Ambivalenzen interessieren ihn nicht, er schreibt wütend, teils auch verbittert gegen Hitler an und verweist außerdem auf die Verantwortung aller Deutschen für die sich vollziehenden Schrecken. Objektivität ist nicht sein Ziel in diesen beeindruckenden Reden, beschreibt Kegel, die sich darüber freut, dass diese beeindruckenden Texte nun wieder auf dem Buchmarkt greifbar sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.03.2025

Rezensent Michael Hesse würdigt Thomas Manns BBC-Reden als "literarische Intervention, politische Rede und moralischen Appell"". Zwischen 1940 und 1945 rief Mann in mehreren Radioansprachen die Deutschen zur Vernunft. Er warnte eindringlich vor den Verbrechen der Nazis und sah die Zerschlagung des NS-Regimes als historische Notwendigkeit, lesen wir. Schon 1942, so Hesse, berichtete er vom Massenmord an Juden und klagte diesen in aller Deutlichkeit an. Kritiker wie Reinhold Niebuhr, schreibt Hesse, bemängelten seinen belehrenden Ton, doch seine Mahnungen waren klar: "grenzenlos und unverzeihlich ist euer Glaube", warf er den Deutschen vor. Angesichts des heutigen Erstarkens autoritärer Kräfte und der Zerschlagung von "Voice of America" vonseiten der 1945 als Retter wahrgenommenen USA wirken Manns Worte aktueller denn je, schließt Hesse.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2025

Einen anderen Thomas Mann lernt man in diesem Buch laut Rezensent Thomas Ribi: nicht den abwägenden, wortgewandten, manchmal auch etwas steifen Literaten, sondern einen Polemiker, der als Vorfahre der heutigen Podcaster gelten könne. Die Texte, die dieser Band versammelt, entstanden ab Herbst 1940 im Auftrag der BBC, die Thomas Manns Mitteilungen an die Deutschen über ihren in Deutschland empfangbaren deutschsprachigen Sender verbreitete, wozu zunächst BBC-Sprecher, später Manns eigene aus den USA per Vinylplatte und Telefon nach Europa transportierte Stimme diente. Laut Ribi nahm Mann kein Blatt vor den Mund, manche der Schimpfworte, mit denen er die Nazis belegte, gingen sogar der BBC zu weit, die Versuche, zwischen Deutschland und Nazideutschland zu unterscheiden, fielen Mann zunehmend schwerer. Auch auf die industrielle Tötung von Juden wies Mann bereits 1942 hin, lernt der beeindruckte Rezensent aus diesem Buch: für Mann begann das Übel nicht erst 1939, sondern bereits 1933. Für Ribi sind diese Reden eindrückliche Zeugnisse eines Widerstandskämpfers sind, der nie ein solcher sein wollte.

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