Außenseiter
Ein Essay

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103976298
Gebunden, 160 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Ursprünglich stammt der Begriff aus der Welt des Sports: "Outsider" sind solche, die ohne Siegchance ins Rennen gehen. In seinem philosophischen Essay geht Ralf Konersmann dieser besonderen sozialen Erscheinung nach. Von der Antike bis zu den Querdenkern von heute untersucht er unterschiedliche Typen des Außenseiters: Wie sie bestimmte, professionell verstetigte Muster lancieren und in das Normalempfinden einfließen lassen - als deren Ergebnis der Außenseiter als exponierte Figur der Moderne heraussticht. Von Diogenes über Cusanus, von Rousseau bis David Bowie, am Beispiel der Außenseiter wird moralisch, politisch, pädagogisch oder geschmacklich über Zugehörigkeit entschieden.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2025
Von Ralf Konersmanns Essay über den Außenseiter als "Symbolfigur der Moderne" zeigt sich Rezensentin Marianna Lieder weitgehend beeindruckt. Der emeritierte Kulturphilosoph lege scharfsinnig dar, wie sehr unsere Zeit dem Einzelnen Autonomie zuschreibt, ihn gleichzeitig aber zur Anpassung zwingt. Konersmann analysiert, so die Kritikerin, das Spannungsfeld zwischen individueller Abweichung und kollektiver Erwartung, wobei der echte Außenseiter sich durch innere Konsequenz, nicht durch demonstrativen Protest auszeichne. "Keine Erklärungen, keine Meriten" - so beschreibt er jene, die sich unbeirrt von Moden und Meinungen gegen den Strom stellen, lesen wir. Zwar widmet sich Konersmann vor allem den großen Linien der Philosophiegeschichte, von Rousseau bis Montaigne, doch genau hier setzt Lieders Kritik an: Der Verzicht auf konkrete Beispiele aus der Gegenwart wirke stellenweise verkapselt und zu aphoristisch. Trotzdem bleibt der Essay ein kluger Beitrag zur Ideengeschichte der Abweichung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 22.05.2025
Rezensent Peter Neumann ist dieser Veröffentlichung insgesamt gewogen. Der Philosoph Ralf Konersmann beschäftigt sich mit der Figur des Außenseiters, lernen wir, einer Figur, die heute, etwa in der Rede vom Querdenkertum, unter Generalverdacht steht. Dabei ist sie eine Schlüsselfigur der Moderne, lernt der Kritiker. Es gibt zwar auch Vorgängerfiguren wie Diogenes, aber zum einsamen Streiter gegen das Wir wird der sich auf sein eigenes Selbst berufende Außenseiter erst mit der Moderne, konkret mit Jean-Jacques Rousseau. Die individuellen Kämpfer gegen das in der Moderne zunehmend allumfassende Wir sind die einzigen, die dem Konsens entgegenstehen, liest Neumann. Gelegentlich geht der Autor zu weit, etwa wenn er Essayisten - und damit sich selbst - durchweg zu Außenseitern erklärt. Dennoch ist dieses Buch die Lektüre wert, glaubt der Rezensent, und zwar nicht nur für Außenseiter, sondern auch für alle anderen, die darin erkennen können, wie wichtig Dissens für moderne Gesellschaften ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2025
Interessiert aber leicht skeptisch bespricht Rezensent Paul Jandl Ralf Konersmanns Buch über das Außenseitertum. Konersmann setzt sich mit historischen Außenseitern des Denkens wie etwa Sokrates und Montaigne auseinander, nicht mit den politischen Kämpfen der Gegenwart, die aber Jandl zufolge untergründig mitgedacht sind. Konersmann interessiere sich für historische Tabubrecher, die sich der autoritären Position des Wir entgegen stellten. Jandl zeichnet einige der Fallbeispiele aus dem Buch kurz nach, verweist aber auch - das kommt bei Konersmann nicht vor - darauf, dass Dagegensein alleine noch kein Ausweis von Vernunft ist und dass Außenseiter nur solange Außenseiter sind, wie sie tatsächlich für sich selbst sprechen und nicht im Namen einer rebellischen Gemeinschaft. Abschließend geht Jandl in seiner ambivalenten Rezension auf die widerstreitenden Rollen ein, die das Ich und das Wir bei Konersmann einnehmen. Dass der bloße Widerspruch eines Ichs bereits als revolutionärer Akt zu werten ist, scheint der Rezensent mit Blick auf unsere Gegenwart eher nicht zu glauben.