Heinrich Böll (1917-1985), geboren in Köln, im Zweiten Weltkrieg einfacher Soldat, nach 1945 Repräsentant der 'Trümmerliteratur', Autor bedeutender Romane, kritischer Intellektueller mit hoher öffentlicher Wirksamkeit und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1972. Wie hielt es der Schriftsteller Böll mit den Deutschen, und wie hielten es die Deutschen mit ihm? Ralf Schnell, ausgewiesener Kenner der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, ist Mitherausgeber der Kölner Ausgabe der Werke Heinrich Bölls. Er widmet sich in seinem Buch dem Verhältnis Bölls zu Deutschland und den Deutschen und zeigt in lebendiger, anschaulicher Form, auf welche Weise die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts Bölls Leben geprägt haben - und welche Resonanz die künstlerischen Antworten Bölls bei seinen Lesern fanden. Ausgehend von Bölls Herkunft und Jugend - die kinderreiche Kölner Kleinbürgerfamilie katholischen Glaubens, die Kriegsteilnahme und Gefangenschaft - folgt Schnell den zentralen Aspekten von Bölls Biografie und Werk. Er beleuchtet die literarischen Anfänge des jungen Familienvaters in der Nachkriegszeit, die Auseinandersetzung mit Kriegsschuld und Holocaust, den politischen Konservatismus der Adenauer-Ära, die Formierung des Literaturbetriebs durch die Gruppe 47 und Bölls Verhältnis zur DDR und zur RAF.
Ein ehrenvolles Böll-Bild entsteht laut Markus Joch aus Ralf Schnells Studie. Hoch informativ und leicht lesbar findet er das Buch, das nur an einigen wenigen Stellen allzu wohlwollend gerät, wie Joch versichert. Die Verteidigung Bölls gegen seine Kritiker infolge vermeintlicher Sympathien mit der RAF gelingt dem Autor hingegen brillant mit einem bisher unveröffentlichten Brief von Böll an Horst Mahler, einer nachdrücklichen Abrechnung mit Gewalt, meint Joch. Ebenso die Ehrenrettung von Bölls Roman "Fürsorgliche Belagerung", seinerzeit von der Großkritik verrissen. Den "Glutkern" des Böll'schen Erzählens kann der Autor dem Rezensenten straff und schlüssig erläutern.
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