Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz. Die dreiundzwanzigjährige Edie lebt in Bushwick, Brooklyn, und hält sich nach ihrem abgebrochenen Kunststudium finanziell mit einem Assistenzjob in einem Verlag und emotional mit wechselnden Liebschaften über Wasser. Dann beginnt sie eine Affäre mit Eric, einem weißen Mann, der in einer offenen Ehe lebt und fast doppelt so alt ist wie sie. Während sich Edie mit Erics Ehefrau und vor allem mit der Adoptivtochter des Paares, Akila, einem schwarzen Mädchen, anfreundet, verschieben sich alle Perspektiven. Edie scheint die einzige andere schwarze Person zu sein, die Akila kennt, und die Beziehung zwischen den beiden wird bald wichtiger als alles andere. Auf einmal muss Edie sich mit ihrer eigenen Einsamkeit und dem schon immer in ihrem Leben gewesenen Rassismus und Sexismus neu auseinandersetzen.
Rezensentin Kristine Harthauer versteht gut, warum Raven Leilanis Debüt "Hitze" vergangenes Jahr das meistbesprochene in den USA war. Die Autorin erzählt darin aus der Perspektive der antriebslosen 23-jährigen Afroamerikanerin Edie, die eine Affäre mit dem verheirateten, finanziell abgesicherten Weißen Eric beginnt, bei dessen Familie sie nach dem Verlust ihres Jobs und ihrer Wohnung auf Wunsch der Ehefrau Rebecca einzieht. Die kann so "die Affäre kontrollieren" und hat Hilfe bei Problemen mit der schwarzen Adoptivtochter, erklärt Harthauer. Die Sprache der Autorin findet die Rezensentin durchaus mitreißend und authentisch. Im Buch beschreibt Leilani Harthauer zufolge nicht nur die Liebschaften und den Lebensstil einer Millennial, sondern hält der reichen, weißen und hyperindividualistischen Gesellschaft Amerikas den Spiegel vor. Ein glänzendes Debüt, lobt die Rezensentin, vor dem "kalten Herz der amerikanischen Verlogenheit" erschauernd.
Marieluise Goldmann gefällt, wie furchtlos Raven Leilani in ihrem Debütroman um zwei ungleiche Liebende allerhand Klischees in Szene setzt. Erinnert sie an Philip Roth und Toni Morrison. Die Affäre eines älteren, verheirateten weißen Archivars und einer jungen schwarzen Lektorin erzählt die Autorin laut Goldmann, indem sie die Differenzen mit Wucht aufeinanderprallen lässt. Dahinter aber erkennt Goldmann eine scharfe Sozialanalyse, die mit sauberer Sprache Kontexte, Identitäten und Machtgefälle seziert.
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