Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Ein Plädoyer für liberale Werte in einer polarisierten Welt: Über das neue Gerechtigkeitsdenken, das die Debatte bestimmt. Obamas Präsidentschaft barg das Versprechen eines neuen Zeitalters, in dem Hautfarbe endlich keine Rolle mehr spielen würde. Heute scheint von dieser Hoffnung nicht viel übrig zu sein: Identität ist zur entscheidenden Kategorie geworden. Wie kam es zu diesem Bewusstseinswandel? Thomas Chatterton Williams verortet ihn in den ereignisreichen Jahren zwischen Obama und dem Gaza-Krieg. In "Toxische Gerechtigkeit" wirft er einen ersten Blick zurück und zeigt, wie das neue Gerechtigkeitsdenken die Debatten im Westen zu bestimmen begann - und die Welt trotz bester Absichten nicht gerechter machte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.11.2025
Ein hilfreiches Buch, das den Gründen für die ideologische Spaltung der amerikanischen Gesellschaft nachspürt, hat Thomas Chatterton Williams laut Rezensentin Catherine Newmark geschrieben. Williams ist selbst ein Progressiver, so Newmark, aber er kritisiert in dieser Schrift die Methoden des radikalen Antirassismus insbesondere in der Folge der "Black Lives Matter"-Bewegung ab 2020. So missfällt ihm, dass Plünderungen im Zuge solcher Proteste nicht beim Namen genannt wurden, und auch die Versuche junger Aktivisten, arrivierte Medien in Richtung moralisch eindeutiger Standpunkte zu bewegen, anstatt sie neutral berichten zu lassen, missfällt ihm. Insofern legt Wiliams Newmark zufolge Mechanismen offen, die den Kulturkampf befeuern. Die Rezensentin fragt sich zwar, ob angesichts der demokratiefeindlichen MAGA-Exzesse linke Selbstkritik wirklich allzu relevant ist. Ihr Fazit ist jedoch positiv: Gerade Williams' unzeitgemäßes Beharren auf dem Wert ideologischer Neutralität ermöglicht einen neuen, erhellenden Blick auf aktuelle Entwicklungen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…