Dieser Band dokumentiert Hesses Buchbesprechungen der Jahre 1917 bis 1925, die hier zum ersten Mal vollständig und ausführlich kommentiert veröffentlicht werden. Er illustriert ein zeitgeschichtlich besonders interessantes Jahrzehnt: den Ausklang des Ersten Weltkriegs und den Neubeginn der 20er Jahre. Im Werk Hesses ist es die Phase, die mit Demian einsetzt und über Siddhartha und Kurgast im Steppenwolf kulminiert. Neues, wie die Literatur und Malerei der Expressionisten, das Frühwerk von Franz Kafka und Hans Arp, aber auch zu Unrecht Vergessenes wird mit derselben Zuwendung gefördert wie die Literatur des Auslands, um Brücken der Völkerverständigung zu schlagen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2002
Fast ein Viertel von Hesses Werk besteht aus Literaturkritik, berichtet Jörg Drews, und versichert, dass man kaum müde werde, in diesem Teil seiner Produktion zu lesen. Zwar ist Hesse nach Einschätzung von Drews kein wirklich analysierender Kritiker - häufig nenne er irgendwelche Texte sehr summarisch "wunderhübsch" und "verdienstvoll" und so weiter. Auch geht Hesses "Innerlichkeitspflege" dem Rezensenten bisweilen auf den Geist. Aber als "liebend Lobender", als "nachdrücklich Predigender" für die Literatur findet Hesse durchaus Drews' Wohlgefallen. "Man kann sich leicht über die Bildungspusseligkeit vieler seiner Ratschläge lustig machen", räumt Drews ein, um dann in die allgemeine kulturpessimistische Litanei über den Mangel an literarischer Bildung einzustimmen, "aber zu einem Zeitpunkt, da sich sogar Germanistikstudenten weigern, übers Wochenende ein Buch zu lesen, bleibt einem der Spott über Hesses Werben und seine Sicherheit in Sachen Kanon im Halse stecken." Und so wirbt Drews denn auch für Hesses "großen Essay" über Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre", seine "sehr scharfsinnigen Notizen" über Dostojewskij, sein "exzellentes Gespür" für die Prosa Kafkas, Albert Ehrensteins, Richard Huelsenbecks und Sigmund Freuds.
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