Die Politiker sagen, wir seien das Problem: zu lethargisch, zu wenig unternehmerisch und gefangen im Sicherheitsdenken. Reinhard K. Sprenger, einer der profiliertesten Vordenker des Landes, dreht den Spieß um: Tatsächlich ist die Politik das Problem. Sie traut den Bürgern nicht zu, dass sie selbst wissen,was gut für sie ist. Deshalb beschließen die Parlamentarier immer neue Gesetze, die unser Verhalten regeln und steuern: vom Zigarettenrauchen bis zum Kinderkriegen. Alles von oben regeln zu wollen ist ein veraltetes Modell. In den Wirtschaftsunternehmen ist diese Botschaft bereits angekommen. Nur wer Macht abgibt, erreicht, dass andere machen. Es wird Zeit, dass dies auch die Politik begreift!
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.05.2005
Auf scharfen Widerspruch stößt Reinhard K. Sprengers "Dressierter Bürger" bei Rezensent Rudolf Speth. Das Erscheinen dieser "Vision eines individualistischen (Neo-)Liberalismus" sei äußerst unpassend in einer Zeit, in der Münteferings Kapitalismuskritik selbst in CDU-Kreisen vielerorts auf Zustimmung stoße, empört sich Speth. Eine "Polemik gegen den Staat, der den Bürger entmündigt" habe, will dieses Buch sein, das mit seiner Forderung nach weniger Staat und mehr bürgerschaftlichem Engagement laut Rezensentenmeinung einen Irrweg weise. Sprengers zugrunde liegende Behauptung, der Markt übe eine erzieherische Funktion auch auf dem Gebiete der Moral aus, unterschlage nämlich, dass Engagement erst in einer Kombination aus Eigennutz und der Motivation, 'für andere etwas zu tun', entstehen könne, wie der Rezensent belehrt. Denn Speth weiß: "Moralische Gefühle erlernen wir in der Familie, in Gemeinschaften wie Kirchengruppen und zivilgesellschaftlichen Vereinigungen - gewiss aber nicht durch den Markt."
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