Aus dem Französischen von von Gennaro Ghirardelli. Remi Brague macht in diesem Buch ein grundlegendes Motiv der abendländischen Geistesgeschichte anschaulich. Die Vorstellung, dass die Welt ein schön und weise geordneter Kosmos sei, hat griechische, christliche, muslimische und jüdische Denker über zwei Jahrtausende bewegt. Remi Brague zeigt die Entstehung dieses Gedankens und schildert die Geschichte seines Verlustes in der Moderne. Wenn die Griechen in der Antike zum Himmel blickten, sahen sie nicht bloß Sonne und Mond, Sterne und Planeten, sondern den Kosmos - ein in sich geschlossenes, kohärentes Universum voller Schönheit, Wahrheit und Vernunft. Die Schönheit und Weisheit der Welt war den Menschen Vorbild und Maßstab für Ihr eigenes Leben. Griechische und muslimische Philosophen, christliche Denker und jüdische Kabbalisten waren sich einig, dass der Kosmos und der Sinn des menschliche Lebens aufs engste zusammenhingen. Kosmologische Welterkenntnis hatte daher direkte Auswirkungen auf Philosophie und Ethik. Mit der Moderne brach dieses geschlossene Weltbild in sich zusammen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.03.2006
Staunen und Bewunderung zeigt Rezensent Alexander Kissler über den Parcours des Autors durch die abendländische Frage nach dem Guten zwischen Himmel und Erde. Wahrhaft verblüffend, so der Rezensent, sei dann aber die "Pointe" am Ende der 300 Seiten durch 3000 Jahre, wenn Remi Brague als Religionswissenschaftler die moderne Technik als eine "Art Moral" aus dem Sack zaubere und sie als "vielleicht sogar die wahre Moral" hinstelle. Brague verstehe die moderne Impotenz, Werte zu bestimmen, als Resultat einer Trennung von Menschenbild und Schöpfungsbild, von Anthropologie und Welterklärung. Im antik-mittelalterlichen Weltbild sei die Natur noch das von sich aus Gute gewesen, auf das der weise Mensch nur zu hören oder blicken brauchte, um gut zu sein. Unter dem modernen Sternenhimmel einer "ethisch indifferenten" physikalischen Welt gerate auch Brague, vermerkt der Rezensent, an die Grenze zur "reflexionskritischen Verzweiflung", bis er gewissermaßen teleologisch eine "Moral nach der Moral" verkünde, wenn mit der Technik das "Gute zur Natur zurück" kehre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2005
Durchaus beeindruckt zeigt sich Rezensent Joseph Hanimann von Remi Bragues Buch über "Kosmos und Welterfahrung im westlichen Denken". Er würdigt den in Paris Philosophie und in München Religionswissenschaft lehrenden Autor als ausgewiesenen Kenner der Zeit zwischen Spätantike und Mittelalter. Ausführlich folgt er Bragues Geschichte des Gedankens des natürlich oder göttlich geordneten Kosmos als Vorbild und Maßstab menschlichen Handelns, der in Antike und Mittelalter diskutiert wurde. Eine Gefahr solcher großräumigen Darstellungen sieht Hanimann im "Abgleiten ins schematische Resümee". Während Brague dieser Gefahr im ersten, der Antike gewidmeten Teil seines Buchs entgehen könne, sieht Hanimann dagegen in der Schilderung, wie nach Kopernikus der Kosmos ins Zufallschaos überging und das Menschsein von der himmlischen Ordnung entkoppelt wurde, eine gewisse Schematik walten. Was den Reiz der früheren Buchkapitel ausmache, das Kreuzen der Kulturkreise mit unvermittelten Übergängen von Platon zu Abd al-Latif al-Baghdadi oder zu den "Lauteren Brüdern von Basra", so Hanimann, weiche im Schlussteil der summarischen Beispielreihung. Nichtsdestoweniger lobt er das Buch als "faszinierend".
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