Im Jahre 1976 übernimmt eine Militärjunta die Macht am Río de la Plata. Dies geschieht innenpolitisch mit dem Ziel einer sozialkonservativen Restauration, außenpolitisch im Zeichen eines prowestlichen Bekenntnisses und damit einer Positionierung in der Blockkonfrontation des Kalten Krieges. Das Regime wird zehntausende Oppositionelle als Subversive und Kommunisten verleumden und in geheimen Zentren foltern, ermorden und verschwinden lassen. Diese Menschenrechtsverletzungen belasten die Beziehungen zu beiden deutschen Staaten, für die Argentinien außenpolitisches Schwerpunktland ist. Zugleich will das doppelte Deutschland vom neoliberalen Reform- und Investitionsprogramm der Militärregierung profitieren. Im Spannungsfeld zwischen Menschenrechten und Wirtschaftsinteressen agierten Bundesrepublik und DDR sehr unterschiedlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2018
Wie die Bundesrepublik und die DDR im Wettbewerb um die Gunst der argentinischen Militärdiktatur "buhlten", erfährt Michael Mayer aus der Studie von Angela Abmeier. Am ehesten, findet er, gelingt es der Autorin in Sachen Menschenrechte, dem Untersuchungsgegenstand neue Erkenntnisse zu entlocken. Dass die DDR hier kein gesteigertes Interesse erkennen ließ, wundert Mayer nicht. Die Kritik des Westens macht die Autorin als Hauptgrund für die schlechten Beziehungen zwischen Bonn und Argentinien Ende der 70er aus. Bonns "stille" Diplomatie war allerdings ineffektiv, lernt Mayer bei Abmeier.
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