Der 54jährige Wladimir Putin, der während des Umbruchs in der DDR in Dresden für den sowjetischen Geheimdienst arbeitete, steht seit dem Jahre 2000 als Nachfolger von Boris Jelzin unangefochten an der Spitze Russlands. Er betreibt ein harte Innenpolitik und eine selbstbewusste Außenpolitik, wobei er den Erdöl- und Erdgasreichtum seines Landes gegen seine Nachbarn ausspielt. Er will zwar die Verständigung mit dem Westen, beharrt aber gegenüber den USA auf einer Großmachtrolle Moskaus. Wie ist sein Verhältnis zu den Deutschen, deren Sprache er fließend spricht? Und wer kommt nach ihm, wenn seine Präsidentschaft 2008 ausläuft?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2007
Der Rezensent mit dem Kürzel R. M. ist etwas enttäuscht von diesem Buch über den politischen Status Quo in Russland. Erkenntnisgewinn über das hinaus, was man nach regelmäßiger Zeitungslektüre nicht sowieso schon weiß, steckt seiner Meinung nach nicht in dieser Abhandlung - obwohl ihm der Autor Roland Haug eigentlich als kompetenter Russlandkenner gilt. Die ersten Kapitel findet R.M. aufgrund ihrer Anekdotenhaftigkeit etwas banal, und wenn es dann substanzieller wird, ist seiner Meinung nach nicht klar, was die Ausführungen genau mit der Fragestellung des Buches zu tun haben. Bis man zum eigentlichen Thema durchdringt, dauert jedenfalls nach Einschätzung des Rezensenten viel zu lang. Doch er gesteht Haug zu, dass er Putins Politik dann wenigstens differenziert betrachtet - "weder simplistisch dämonisierend noch naiv verharmlosend".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2007
Insgesamt zufrieden zeigt sich Rezensent Werner Adam mit Roland Haugs Blick auf Putins Russland. Zwar scheint ihm das Buch bisweilen etwas unausgegoren. Die Ausführungen über Putins angeblichen Hang zu deutscher Tüchtigkeit etwa kann er nicht so ganz einordnen. Aber er findet in dem Buch immer wieder nüchterne und instruktive Beschreibungen der gegenwärtigen Situation in Russland. Neben dem Problem der allgegenwärtigen Korruption erfährt Adam einiges über das Verhältnis Russlands zur Ukraine sowie zu Tschetschenien. Er hebt Haugs kritische Betrachtung der zunehmend autokratischen Tendenzen der Kremlführung hervor und unterstreicht zugleich dessen Verweis auf deutsche Unternehmer, die in Putin einen entschlussfähigen Politiker sehen, der für Stabilität und Ordnung in Russland eintritt. Nicht widersprechen mag Adam dem Schluss des Autors, in Putins "Modernisierungsdiktatur" sei kein Platz für eine demokratische Zivilgesellschaft.
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