Ein ziemlich böses Mädchen
Roman

Transit Buchverlag, Berlin 2025
ISBN
9783887474171
Gebunden, 140 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Niko Fröba. Guada wächst bei ihrer Mutter, einer schlecht bezahlten Lehrerin, auf, nachdem der Vater, Seemann und Schürzenjäger, sich davon gemacht hat. Die Mutter muss nebenbei arbeiten, nutzt dabei ihre Kochkünste und wird von einem schwerreichen Unternehmer entdeckt, der eine Köchin sucht. Die Mutter zieht mit Guada in die Prachtvilla ihres neuen Herrn. Guada nimmt diese so ganz andere Welt verwundert wahr, staunt über Lebensweise und Arroganz der Reichen ebenso wie über das ihr unerklärlich devote Verhalten ihrer Mutter und der anderen Angestellten. Das Mädchen will mit dieser in seinen Augen kranken, ungerechten Gesellschaft nichts zu tun haben, zieht sich auch in der Schule (ein katholisches Elite-Gymnasium) zurück, wird heftig gemobbt - und lässt in einem rasanten Schlusskapitel alles hinter sich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.10.2025
Rezensentin Andrea Pollmeier stürzt sich mit zwei philippinischen Romanen über die Kluft zwischen Arm und Reich und das Aufbrechen einer scheinbar sicheren Bürgerlichkeit in die Geschichte der Philippinen. Beide Romane zentrieren dabei das Leben von Frauen in der Hauptstadt Manila, wo die Einflüsse der unterschiedlichen Kolonialkräfte, die noch bis zur Unabhängigkeit 1946 in den Philippinen walteten, zusammenlaufen. In Bautistas Roman liest Pollmeier aus der Perspektive der fünffachen Mutter Amanda von einer bürgerlichen, wohlhabenden Familie, die an den zunehmenden Zensurmaßnahmen und Unterdrückungstaktiken des Präsidenten Marco zerbricht. Überzeugend selbstreflexiv erzähle Bautista von der erstickenden Gewaltherrschaft der 70er-Jahre und vermische dabei gekonnt Intimes mit detailliert Politischem. Eine ähnliche Geschichte über die Auflösung bürgerlicher Verhältnisse findet Pollmeier in Zafras Roman über das Leben des Mädchens Guada wieder, das nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter auf sich selbst zurückgeworfen wird. Da ihre Mutter zuvor als Köchin einer reichen Familie arbeitete, konnte Guada bürgerliche Privilegien nutzen, die ihr normalerweise verwehrt geblieben wären, erfährt Pollmeier. Nach dem Tod der Mutter muss Guada nun für sich selbst entscheiden, ein Selbstfindungsprozess, den die in Manila lebende Autorin sehr anschaulich zu beschreiben weiß, freut sich Pollmeier.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Dieses Jahr sind die Philippinen Gastland der Frankfurter Buchmesse, Rezensent David Pfeifer trifft sich aus diesem Anlass in Manila mit der Autorin Jessica Zafra, die für ihne eine "Carrie Bradshaw des Westpazifiks" ist, lange hat sie Kolumnen geschrieben und erst spät ihren ersten Roman verfasst. Dieser liegt jetzt auch auf Deutsch vor: Protagonistin ist das junge Mädchen Guadalupe, "beißend klug und eigensinnig", ihre alleinerziehende Mutter ist Köchin bei einer reichen Familie, die dem Mädchen die Priavtschulausbildung finanziert, mit der Bedingung, dass die weitaus weniger kluge Tochter der reichen Familie bei ihr abschreiben darf, erfahren wir. Pfeifer lernt nicht nur einiges zur Geschichte der Philippinen nach der Marcos-Diktatur, sondern auch zu patriarchalen Verhaltensmustern, immer pointiert und humorvoll. Die 120 Seiten der Geschichte gehen ihm viel zu schnell vorbei, wie er schließt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2025
Rezensentin Emilia Kröger liest Jessica Zafras im Original bereits 2020 erschienenen Debütroman mit viel Freude und mit Erkenntnisgewinn. Auf herrlich spöttelnde Weise, in einer Sprache voller Witz und originellen Bildern gibt die Autorin hier Einblick in die Gesellschaft der Philippinen in den 80er und 90er Jahren. Im Zentrum der Erzählung stehen Siony und ihre Tochter Guadalupe, die mühsam den aufhaltsamen Klassenaufstieg versuchen, unbeeindruckt von politischen Geschehnissen, die sich im Hintergrund der Erzählung abspielen, lesen wir. Anhand ihres Verhältnisses zu der Oberschichtsfamilie, für die Siony arbeitet, veranschaulicht die Autorin gekonnt den Klassenkonflikt und den tiefsitzenden Klassismus der philippinischen Gesellschaft. Dabei sind es vor allem Zafras "liebevoll-lächerlich" gezeichnete Figuren und ihr unkonventionell bildhafter Stil, die "Ein ziemlich böses Mädchen" ausmachen, so die hingerissene Rezensentin.