Roland Jahn

Wir Angepassten

Überleben in der DDR
Cover: Wir Angepassten
Piper Verlag, München 2014
ISBN 9783492056311
Gebunden, 192 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Warum hat die Diktatur in der DDR so lange funktioniert? Weil sich fast alle angepasst haben, sagt Roland Jahn. Als Kind der DDR zunächst mitgelaufen, fand Jahn bald Wege, Menschenrechte einzufordern und wurde deswegen aus der DDR geworfen. Als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen unterstützt er heute die Aufarbeitung dieser Vergangenheit.
"Seid bereit, immer bereit." Das Bekenntnis zum Staat wurde schon den Kindern in der Schule abverlangt. Von Schulaufsätzen bis Doktorarbeiten Zitate des Staatsratsvorsitzenden Erich Honeckers wurden erwartet. Bei den Wahlen galt es, vor den Augen der Funktionäre die vorgegebenen Kandidaten abzunicken. Hatte man eine Wahl? War es verwerflich, die DDR-Fahne vor dem Haus aufzuhängen, um sicherzugehen, dass das eigene Kind studieren darf?
Roland Jahn, selbst ein "Rädchen im Mechanismus der Diktatur" bevor er sich verweigerte, geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen. Hätte man auch anders handeln können? Was wäre der Preis gewesen? Für einen selbst, für andere? Es gibt keine einfache Wahrheit. Auch wenn es wehtut, wir sollten Antworten suchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.11.2014

Wie ein Anachronismus wirkt Roland Jahns Buch immer dann auf den Rezensenten, wenn der Autor christliche Versöhnung anbietet, all jenen, die ihm einsichtig scheinen zumindest. Diese Haltung des Autors beeindruckt den Rezensenten sehr, zumal sie auch Kompromisslosigkeit den Uneinsichtigen gegenüber nicht ausschließt. Das Maß der kritischen Selbstreflexion im Buch sowie der Bescheidenheit des Autors im Umgang mit der eigenen Biografie scheint Markus Decker ebenfalls außergewöhnlich. Dass Jahn keine Abrechnung schreibt, sondern das Recht auf Anpassung und die Feigen verteidigt, findet Decker groß, auch, weil so ein Bild der DDR (als "autoritär fürsorglicher" Unrechtsstaat) entsteht, das ihm realistisch erscheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Rezensentin Mechthild Küpper ist erleichtert über dieses Buch. Dass der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hier seinen moralischen Rigorismus auf sich selbst anwendet und milder, aber für Küpper offenbar auch glaubwürdiger argumentiert, wenn er über seine Vergangenheit als DDR-Dissident spricht, scheint der Rezensentin zu gefallen. Umso mehr, als der Autor sich zu seinen mutigen, aber auch zu seinen schwachen Momenten bekennt, zu seiner Anpassung, genauer gesagt. Möge dieses Buch über Anpassung und Widerstand auch von den vormals von Jahn gescholtenen ehemaligen Stasi-Mitarbeitern im Dienst der Behörde für die Stasi-Unterlagen gelesen werden, wünscht Küpper.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.10.2014

Zivil, ehrlich, verdammt gut findet Rezensent Marko Martin Roland Jahns Erinnerungen an das Leben und die Proteste in der DDR. Auch Nachgeborenen empfiehlt der Rezensent die Lektüre, da der Autor, selbst einst Häftling und Oppositioneller, den DDR-Staat nuanciert und komplex und nicht idyllisierend noch eifernd betrachtet, wie er schreibt. Dabei kommt Verdrängtes zutage, staunt Martin, wenn er auch recht wenig über das Dissidentendasein erfährt. Jahn, so Martin, stellt das Alltägliche und seine Brüche in den Vordergrund und erklärt sie für den Leser. Für den Rezensenten nicht das geringste Verdienst des Buches.

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