Aus dem Russischen von Ulrike Zemme. Was tun, wenn man fünfundzwanzig wird und dort lebt, wo Russland und Asien ineinander übergeben, im sibirischen Minusinsk. Roman arbeitet nach dem Militärdienst als Kulissenschieber im Stadttheater, fühlt sich als Künstler, träumt von der idyllischen Kindheit oder von der Liebe - und schlägt doch nur die eintönige Zeit tot, mit den Kumpanen des Wohnheims, den Kollegen und seinen Maler- und Musikerfreunden beim Saufen. Romans Eltern, ehemals Idealisten, die die Kultur in die sowjetischen Republiken tragen wollten, leben vom Gemüseanbau in einem benachbarten Dorf. Die Seelen trösten oder vergiften sich diese Existenzen, Maulhelden, dealende Kleinkriminelle oder einfach nur Ratlose wie Roman, mit billigem Wodka - und der heißt in Minusinsk, mit sprechendem Namen, Minus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2004
Jörg Plath kann sich in seiner knappen Besprechung für den im postsowjetischen Sibirien spielenden Roman "Minus" nicht erwärmen. Er findet, dass die Geschichte um den jungen Bühnenarbeiter Roman, der in der trostlosen Stadt Minusinsk ein ödes Leben zwischen Besäufnissen und Rohheit mehr "übersteht als durchlebt", eigentlich einen "harten Kerl" als Erzähler nötig gehabt hätte. Stattdessen, so Plath unzufrieden, schickt der russische Autor Roman Sencin einen seinen Vornamen tragenden Protagonisten in die Kälte, der sich als "Hasenfuß" herausstellt, was dem Rezensenten offensichtlich missfällt. Außerdem lässt diese Hauptfigur einen erstaunlichen Mangel an Gedanken sehen, wobei der Autor dies mit einem "doppelten Verzicht" auf Lebenserfahrung und "literarische Traditionen" kombiniere, so der Rezensent indigniert. Der Autor hält diese Perspektive wohl für einen "ungetrübten Blick", meint Plath, doch auf ihn wirkt die "Illusionslosigkeit", die beim Protagonisten zur Schau gestellt wird, eher wie ein schlecht passendes Kostüm von Sencins "Alter Ego".
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