Ron Segal

Jeder Tag wie heute

Roman
Cover: Jeder Tag wie heute
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835315570
Gebunden, 140 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Adam Schumacher, der Held dieses Debütromans von Ron Segal, ist ein neunzigjähriger israelischer Schriftsteller und Holocaust-Überlebender. Einst vor den Nazis geflüchtet, reist er nun, viele Jahre später, zum ersten Mal zurück nach Deutschland, um für ein Literaturmagazin seine Erinnerungen aufzuschreiben. Ausgerechnet dort, wohin er nie zurückkehren wollte, merkt er, dass ihn sein Gedächtnis immer öfter im Stich lässt. Wie der Schuster aus den Märchen der Brüder Grimm, dessen Handwerk über Nacht durch geheimnisvolle Helfer erledigt wird, wacht er jeden Morgen auf, um zu entdecken, dass irgendjemand seine Arbeit schon für ihn getan hat, dass seine Geschichten schon auf dem Papier festgehalten sind. Ihm wird klar, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, das Versprechen an seine verstorbene Frau einzulösen: bevor er sie vergessen haben würde, ihrer beider Lebensgeschichten aufzuschreiben.
Segal erzählt die Fieberträume des Überlebenden, in denen die Fakten und Fiktionen einander schon überlagern, er ruft die Geschichten der Grimms auf, die Mythen, Legenden und versucht ein Amalgam zu finden, das ein literarisches Sprechen über den Holocaust für jemanden "zwei Generationen danach" möglich macht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2014

Nein, so richtig froh ist Rezensentin Anat Feinberg mit diesem 137 Seiten kurzen Roman, den sie lieber Novelle nennen würde, nicht geworden. Es geht um einen 90-jährigen Holocaust-Überlebenden, der seine Erinnerungen aufschreiben will und während dessen an Alzheimer erkrankt, also um die Frage, wie "wahr" unsere Erinnerungen sind. Für den Autor ist das abgelegte Zeugnis "eine Erzählung", keine historische Tatsache, erklärt Feinberg. Mag sein, aber was folgt daraus? Man erfährt es nicht. Vielleicht war auch kein Platz dafür, weil Autor Ron Segal offenbar unendlich viel Stoff unterbringen musste: Nonnen, SS-Offiziere, ein Mord mit einer Harfensaite, Papst Johannes Paul II. als junger polnischer Pfarrer, ein aufstrebender Künstler namens Hitler, Dignitas und sehr viel Tiersymbolik. Feinberg ist das alles in allem "zu dick aufgetragen".
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