In welchem Umfeld ist Helmuth James von Moltke, eine der führenden Persönlichkeiten des deutschen Widerstands gegen Hitler, aufgewachsen? Die Briefe seiner Mutter Dorothy von Moltke, die sie an ihre Eltern in Südafrika schrieb, reflektieren neben der Familiengeschichte drei dramatische Epochen deutscher Geschichte: die politischen Ereignisse und Entwicklungen im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und in der Frühzeit des Dritten Reiches.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2000
Christoph Jahr empfiehlt die Briefe vor allem den Lesern, die wissen möchten, warum der Sohn der Autorin, Helmuth James Graf Moltke, zu den Gegnern Hitlers gehörte. Jahr beschreibt die Mutter als überzeugte Liberale, die "scharfsinnig und differenziert" die politische Situation in Deutschland beobachtet habe. Zwar hielt sie Hitler 1933 noch für `ganz aufrichtig`, doch schon ein Jahr später war sie von seiner Unaufrichtigkeit überzeugt. Für Jahr ist offensichtlich, dass die "weltoffene Erziehung" der Mutter und der humanistische Geist, der aus jeder Zeile ihrer Briefe spreche, den Sohn gegen die Verführungen der Nationalsozialisten immunisiert habe.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.12.1999
Für Volker Ullrich ist "dieses bewegende Buch" ein wichtiges Zeitzeugnis, das den Weg Helmuth James von Moltkes in den Widerstand dokumentiert und vor allem auch einen Eindruck von dem "Milieu" vermittelt, das Moltke geprägt hat. Seine Mutter, Dorothy von Moltke, erweist sich in Ullrichs Augen als eine liberale, politisch sehr interessierte und kritische Frau, die als gebürtige Südafrikanerin den nationalistischen und nationalsozialistischen Tendenzen in Deutschland frühzeitig (fast immer) sehr distanziert gegenüber stand. Ihre wöchentlichen Briefe nach Pretoria sind - wie der Rezensent findet - gerade durch ihre "unverstellten Beobachtungen" eine wichtige historische Quelle. Großes Lob sendet Ullrich an die Adresse der Herausgeberin und Übersetzerin Beate Ruhm von Oppen, die hier eine Auswahl der Briefe zusammen gestellt hat. Allerdings gibt der Rezensent zu bedenken, dass manche Ereignisse heute nicht mehr jedem Leser geläufig sind, und daher eine ausführlichere Kommentierung bisweilen von Nutzen gewesen wäre.
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