Die Jahre im Widerstand haben in der reichhaltigen Bonhoeffer-Literatur ihren festen Platz, doch eine umfassende Darstellung der Widerstandszeit Bonhoeffers fehlt bisher. Diese Lücke wird mit diesem Buch geschlossen. Es geht um die Wirklichkeit hinter dem Mythos Bonhoeffer: Wie war das eigentlich damals? Was heißt es, Bonhoeffer sei "im Widerstand" gewesen? Wie sah seine Tarn- und Doppelexistenz aus, wie sein konkretes Dasein als 2V-Mann der Abwehr? Welche Beweggründe trieben ihn an?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006
Susanne Dramm geht in ihrem Buch vor allem dem Werdegang Bonhoeffers als Vertrauter der deutschen Widerstandskämpfer nach, der unter Admiral Canaris als Kurier des Auswärtigen Amtes fungierte. Der Rezensent betont angetan, dass die Autorin nicht versucht, Bonhoeffer in den "musealen Olymp der Widerstandsheroen" zu erheben, sondern ihn trotz seines mutigen Einsatzes als "fehlbar und hinterfragbar" darstellt. Als entscheidende Hinwendung zum Widerstand gegen die Nazis in der Biografie des Theologen wird dessen USA-Aufenthalt 1939 bestimmt, wo er sich trotz des Drängens seiner Bekannten für eine Rückkehr nach Deutschland entscheidet. Aktuell sei das Bonhoeffersche Verständnis des Christentums auch heute. "Nur wer für die Juden (Tschetschenen, Guantanamo-Häftlinge etc.) schreit, darf heute gregorianisch singen."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2005
Allzu oft, schreibt Peter Steinbach, wurde Dietrich Bonhoeffer nach 1945 zur reinen Lichtfigur des Widerstands stilisiert - ein bequemes Mittel, um vom Versagen des deutschen Protestantismus während der Nazi-Zeit abzulenken. Dabei ist es gerade wichtig, sein Wirken im Namen des Regimes darzustellen, wenn man seine oppositionelle Tätigkeit würdigen will. Verleiht ihm nicht gerade seine "Entscheidung, in Widerspruch und Widerstand zu leben", seinen Charakter und seine Größe? Und deshalb: Ein großes Lob für Sabine Dramms biografische Studie, die "nach Bonhoeffers Wirken im Widerstand, im Umkreis der Abwehr, als Teil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems" fragt und "geradezu kriminalistisch" Widersprüche herausarbeit. Nicht, um Bonhoeffer zu entblößen, sondern um zu einer wahrhaftigen Darstellung seiner Schwierigkeiten und seiner Leistungen zu gelangen. "Sie macht", schreibt Steinbach, "deutlich, was Bonhoeffer antrieb". Fazit: "ein ehrliches Buch ohne Schnörkel".
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