Mit 22 Abbildungen. Mit einem Nachwort von Antje Vollmer. Herausgegeben von Friedrich Künzel und Ruth Pabst. Helmut Gollwitzer (1908 - 1993), eine Galionsfigur der Bekennenden Kirche, wurde mit der meisterhaften Schilderung seiner Kriegsgefangenschaft in Sibirien weltbekannt. Auch in den Briefen, die er von der Front an die Schauspielerin Eva Bildt (1916 - 1945) richtete, erweist er sich als prägnanter Erzähler. Das Paar verlobte sich Anfang 1941, durfte aber wegen der jüdischen Abstammung Eva Bildts nicht heiraten. Während sie ihrem Geliebten ihr Leben in Berlin unter den Bedingungen von Verfolgung, Zwangsarbeit und Bombenkrieg schildert, berichtet er von der immer chaotischeren Lage an der Front. Der erstmals veröffentlichte Briefwechsel dokumentiert - wie die Brautbriefe Dietrich Bonhoeffers und Maria von Wedemeyers - eine Liebesgeschichte in den Zeiten von Krieg und Gewaltherrschaft, die von Widerstand und Zuversicht getragen ist, aber kurz vor Kriegsende tragisch endet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.02.2009
Eine Chance, Helmut Gollwitzer näher kennenzulernen, ist der vorliegende Briefband für Helmut Kühne auf jeden Fall. Interessant erscheint ihm Gollwitzers Korrespondenz mit seiner Verlobten Eva Bildt aber auch aus einem anderen Grund: Es geht um die Kraft aus dem Glauben zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Glaube, Liebe und Hoffnung bezeugen die 120 Briefe laut Kühne trotz der für ihn spürbaren Verfinsterung in Bildts Anteil. Gollwitzers Briefe von der Front kommen dem Rezensenten nicht nur optimistischer, sondern auch leichter lesbar vor. Mit seinen Lücken, so Kühne allerdings, reicht die vorliegende Korrespondenz an diejenige zwischen Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer nicht heran.
Rezensent Robert Leicht begrüßt diese Edition des Briefwechsels des berühmten Theologen und seiner Verlobten Eva Bildt, die sich kurz vor Kriegsende das Leben genommen hat. Zwar hat Leicht beim Lesen manchmal auch Zweifel, ob derart Intimes überhaupt an die Öffentlichkeit gehört. Es überwiegt für ihn schließlich die zeitgeschichtliche Bedeutung des Materials, der dadurch eröffnete Blick in ein untergegangenes protestantisch-jüdisches Intellektuellen-Milieu und auf die Figur Helmut Gollwitzer selbst, über dessen Rolle in der Nachkriegszeit der Band in seinem von Antje Vollmer verfassten Nachwort ebenfalls Auskunft zu geben scheint. Leider bleibt die Rezension über Art und Umfang dieser Gollwitzer-Deutung ebenso unscharf, wie über den Briefwechsel selbst.
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