Gedenkstätten sind Orte der Erinnerung, der Wissensvermittlung, der Würdigung und der Traditionsbildung. Insoweit die Taten von Personen Würdigung finden, gewinnen sie immer auch Vorbildcharakter. Indem man ein Handeln in der Öffentlichkeit oder in Gedenkstätten als beispielhaft würdigt, wird es allen, die sich in einer relevant ähnlichen Situation befinden, zur Nachahmung empfohlen. Das, was eine Handlung vorbildlich macht, ist die Regel, der die Handlung gefolgt ist, es ist das von ihrer konkreten Form ablösbare allgemeine Handlungsschema. Hier liegt die Brisanz des Falles Elser. Obwohl ein Anschlag auf Hitler gerechtfertigt war, sind dem Attentäter bezüglich der Planung und Ausführung seiner Tat nicht hinnehmbare Unzulänglichkeiten und Versäumnisse vorzuwerfen. Damit ist seine Tat als Ganze nicht vorbildlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2009
Was der Politikwissenschaftler Lothar Fritze über Georg Elser schreibt, ist dem Rezensenten Rainer Blasius wohlbekannt. Die hier versammelten Beiträge wurden in den vergangenen Jahren bereits in verschiedenen Medien veröffentlicht. Darunter natürlich auch jener Artikel aus dem Jahr 1999, in dem Fritze Elsers Attentat auf Hitler die Legitimität absprach. Er habe dabei "Sorgfaltspflichten im Bereich des Denkens und Planens" verletzt und den Tod von acht Menschen "schuldhaft verursacht", meint Fritze. Blasius erinnert daran, dass damals die Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Peter Steinbach und Johannes Tuchel, schwere Kritik an Fritzes Thesen geübt haben, woraufhin ihnen der Autor vorwarf, auf die "Vernichtung" seiner "wissenschaftlichen Existenz" zu zielen. Blasius nennt es zwar "schwere Geschütze", was Fritze auffährt, bezieht zum Thema aber keine Stellung.
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