f l u n d e r n/ und von der plastiktüte aus dem kühlschrank/ wo sie schon lagen 24 stunden oder auch weniger/ wenn man die öffnet kommt ein hauch den/ kann man seele nennen und sie/ hat die form von weißem rauch/ die küche könnt durchdrungen sein vom pochen wohl der herzchen/ wenn sie zum waschbecken getragen werden/ zuckend das flügelpaar der iris hornhaut die/ kalter ostseeschleim nicht länger mehr bewimpert/ der kiemenschnitt raus kommen schwimmblase und eier stach/ in die afteröffnung brust vorsichtig hier das messer führen/ die stachelige haut mit einem handschuh nur berühren/ die innereien leber galle herz entfernen zurück bleibt/ einzig und allein das augenpaar das immer noch nicht brach/ das sind die nerven zum pochen nicht braucht/ die flunder ihr herzchen sie ist auch ohne wach/ auch zum schlagen nicht der flossen/ auch nicht zum bäumen zum erschrecken/ auch nicht zu einem letzten atemholen: ach
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2006
Zeilen von wunderbarer Leichtigkeit könne man in Sabine Schiffners erstem Gedichtband finden, lobt Rezensent Michael Braun, vorzugsweise in Vogel-Bildern. Solche romantischen "Sehnsuchtsbilder" seien aber keineswegs ungebrochen, denn die schon im Titel anklingenden Körpermale wiesen nicht nur auf harmlose Warzen, sondern beispielsweise auch auf einen bösartigen Tumor hin. Und auch die Landschaft von Sabine Schiffners rückblickenden "Erkundungsgängen" in eine oberflächlich heile norddeutsche Familiengeschichte zeige noch Spuren des letzten Krieges. Romantisch nennt der Rezensent Haltung und Blickrichtung der Gedichte, die ein "Kindheitsmosaik" entfalten auf der Suche nach magischen Erinnerungsfragmenten.
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