Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2004
Der Rezensent Lothar Müller zählt erst einmal auf, was Volker Sielaffs Gedichte alles "vertragen": das scheinbar übermächtige Weiß des Papiers, das sie umgibt, das laute Vorlesen, und nicht zuletzt ein von Novalis stammendes Motto ("Das Äußere ist ein in Geheimniszustand erhobenes Inneres"). All das vertragen sie, so der Rezensent, weil sie den "Forderungen der Moderne" (und deren "magischen Bildern") nicht ausweichen, sondern sie verschieben. Bei Sielaff werden Zeilenenden zu "Schwellen", die den Leser ins konzentrierte "Zögern" schicken, auch weil an der Interpunktion gespart werde. Doch, wie der Rezensent klarstellt, liegen Sielaffs teils "inkongruenten", "nicht selbstverständlichen" und "sprachgehemmten" Zeilen keine "Ausdrucksnot" zugrunde, und gerade das macht sie zu einer Art Schwellenort. Sielaff suche (und finde) keine Bilder, sondern "Nachbilder, imprägniert mit Zeit". Seine Sprache, so Müllers lobendes Fazit, zögert "zu Recht".
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