Herausgegeben von Tom Juncker, Daniela Pscheiden, Hannes Sulzenbacher. Jüdische Identität im Spannungsverhältnis zwischen Eigendefinitionen, Antisemitismus und Rassismus. Welche Hautfarben haben Jüdinnen und Juden - und welche werden ihnen zugeschrieben? Wie verorten sie sich selbst? Seit Jahrhunderten werden Menschen durch rassistische Weltanschauungen vor allem nach ihrer Hautfarbe bewertet. "Rassentheorien", Kolonialismus, Antisemitismus und andere Überlegenheitsfantasien schufen eine fundamentale Hierarchie: eine Ordnung der Welt, die auf der Ordnung nach Hautfarben beruht. Die Publikation beleuchtet diese Stereotypisierungen und Ausgrenzungen, die "Jews of Color" weltweit - insbesondere in Europa, den USA und Israel - erfahren. Gerade die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts führte zur Verfestigung des Stereotyps von Juden als weiße Kolonialherren, die eine "nicht-Weiße", indigene Bevölkerung unterdrücken. Dafür wird ausgeblendet, dass Jüdinnen und Juden - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ihre Geschichte von Migration, Vertreibung, und allen voran von der Schoa geprägt ist - auf allen Kontinenten präsent waren und sind. Sind Juden nun aber weiß, "nicht-weiß" oder schwarz?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.12.2025
Sehr produktiv ist der Ansatz dieses Buches, findet Rezensent Christian Schüle. Der von Tom Juncker, Daniela Pscheiden und Hannes Sulzenbacher herausgegebene Band fragt danach, wie die Frage nach der Hautfarbe von Juden mit Antisemitismus zusammenhängt. Schüle stellt klar, dass es den verschiedenen Beiträgen weniger über vermeintlich faktische Hautfarbedifferenzen geht, als um "race" als soziale Konstruktion, Juden gibt es in allen möglichen Weltgegenden und mit sehr unterschiedlichem Aussehen, dennoch wurden sie im Mittelalter und von den Nazis aus Gründen der Abgrenzung zu den "Schwarzen" gezählt. Heute hingegen gelten Juden oft pauschal als weiß, lernt der Rezensent aus diesem Buch, insbesondere postkoloniale Aktivisten machen Juden oft zu "weißen" Tätern, die auf Seiten der Privilegierten stehen. Schüle geht auf einige Aufsätze näher ein, die zeigen, weshalb das problematisch ist - und auch, dass das Judentum mit den Kategorien rassistischen - und antirassistischen? - Denkens schlicht nicht zu fassen ist, da es sich Differenzen wie der zwischen weiß und schwarz entzieht. Das alles wird, auch das gefällt Schüle, nicht streng akademisch, sondern in meist kurzer Form aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven aufgearbeitet. Der Erkenntnisgewinn ist Schüle zufolge enorm.
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