Biologen sind den Mechanismen des Alterns längst auf der Spur, und einige von ihnen behaupten, diese Forschung könne uns in Zukunft befähigen, das Altern einzudämmen und die menschliche Lebensspanne erheblich auszuweiten, eventuell sogar bis zur biologischen Unsterblichkeit. Aber wäre ein sehr viel längeres Leben überhaupt ein Gewinn? Oder würden wir trotz dauerhafter körperlicher Fitness seelisch vergreisen? Ist biologische Unsterblichkeit ein erstrebenswerter Zustand? Und wie steht es mit den moralischen Problemen, die sich stellen, wenn das Geheimnis des Alterns gelüftet ist? Ist es zum Beispiel ungerecht, wenn sich nur Wohlhabende lebensverlängernde Therapien leisten können? Sebastian Knell geht diesen elementaren Fragen in seiner großangelegten philosophischen Studie auf den Grund und kommt zu klaren Einschätzungen, die spätestens dann von hoher praktischer Relevanz sein werden, wenn "Anti-Aging" nicht mehr nur ein Zauberwort der Kosmetikindustrie ist. Das könnte in nicht allzu ferner Zukunft der Fall sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2015
Gleich zwei neue Bücher beschäftigen sich mit der Frage, was extreme Lebensverlängerung für uns bedeuten könnte, berichtet Rezensentin Petra Gehring und bleibt nach der Lektüre verunsichert zurück. Ebenso interessiert wie skeptisch liest Gehring zunächst die stattliche Habilitationsschrift des Bonner Philosophen Sebastian Knell, der nicht nur die Wünschbarkeit eines stark verlängerten Lebens überprüft, sondern auch Fragen nach der Diskriminierung im Hinblick auf den vermutlich knappen Zugang zu Behandlungsmethoden nachgeht. Die Kritikerin erfährt in der moralphilosophischen Arbeit, dass lediglich der Alterstod wegfallen bzw. entfristet würde und dass eine positive Lebensbilanz nicht zwingend von einer erweiterten Lebensspanne abhängt. Zugleich liest sie, dass eine moderate Lebensverlängerung in einigen Punkten durchaus vorteilhaft sein könne. Allerdings vermisst die Rezensentin in diesem in sauberem "Gutachterstil" geschriebenen Buch einen Ausblick auf die möglichen Schattenseiten, etwa erwartbare Demenzzustände.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2015
Michael Stallknecht liest Sebastian Knells für ihn vom Umfang her etwas überdimensioniertes Buch über Fragen des unendlichen Lebens mit Interesse. Dass der Autor klassische Argumente gegen ein endloses Dasein vom Tisch fegt, scheint ihm okay, wenn er selbst auch den Anti-Agern nicht trauen mag. Die vom Autor entwickelte Philosophie einer verlängerten Lebensspanne von rund 200 Jahren behagt Stallknecht jedenfalls. Für die "umständliche Kasuistik" und das Wissenschaftsdeutsch des Buches ist dem Rezensenten hingegen seine leider weiterhin begrenzte Lebenszeit zu schade.
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