Wäre ein unendliches Leben nicht auch unendlich langweilig? Die Annahme, die menschliche Sterblichkeit sei Voraussetzung eines wünschenswerten Lebens, ist weit verbreitet. Aber lässt sie sich auch halten? Marianne Kreuels setzt sich mit den verschiedenen Argumenten für diese Position auseinander, wie sie unter anderem von Bernard Williams und Martha Nussbaum vorgebracht wurden, und zeigt, dass sie allesamt nicht überzeugend sind. Anhand zahlreicher anschaulicher Gedankenexperimente arbeitet sie in ihrem scharfsinnigen Essay heraus, dass auch ein unendliches Leben ein wünschenswertes Leben sein kann, das sich - abgesehen natürlich von seiner Länge - nicht vom Leben eines Sterblichen unterscheiden muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2015
Mit gemischten Gefühlen hat Rezensentin Petra Gehring zwei Neuerscheinungen zum Thema medizinische Lebensverlängerung gelesen. Insbesondere Marianne Kreuels philosophischer Essay "Über den vermeintlichen Wert der Sterblichkeit" wühlt die Kritikerin auf, radiert die Philosophin doch alle traditionellen Bedenken zur Unsterblichkeit aus. Gehring liest in dieser "fingerübungshaften" Streitschrift etwa, dass Unsterbliche sich nicht zwingend immer langweilen müssten und dass mit dem Verschwinden des Nachdenkens über den Tod Platz für Überlegungen zu anderen existientiellen Rahmenbedingungen des Lebens geschaffen würde. Bisweilen erscheint der Kritikerin Kreuels Beweisführung nicht nur absurd, sondern auch unfreiwillig komisch. Darüber hinaus werden erwartbare Nachteile eines unbegrenzten Lebens schlichtweg negiert, kritisiert die Rezensentin.
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