Sergej Lebedew

Das perfekte Gift

Roman
Cover: Das perfekte Gift
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2021
ISBN 9783103970586
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Franziska Zwerg. Giftanschläge auf russische Agenten, chemische Kriegswaffen, Stalins Schatten, Westdeutschland und der Kalte Krieg. Ein Roman über Wespenstiche, an denen Geheimagenten sterben, und die Jagd nach einem todbringenden Chemiker. Ein schillerndes Jahrhundert russischer Geschichte mit all ihren Abgründen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.08.2021

Rezensentin Katharina Granzin ist beeindruckt davon, wie Sergej Lebedow seinen Roman um einen ehemaligen sowjetischen Giftwaffenentwickler, dem ein brutaler Ermittler und Ex-Soldat des russischen Geheimdienstes auf den Fersen ist, erzählt: Nämlich "von innen heraus", aus der durchaus auch angstbehafteten Weltsicht seiner beiden nihilistischen Protagonisten. Dadurch und durch den "hohen Ton" erfahre das Böse hier eine gewisse Veredelung oder zumindest Humanisierung, findet Granzin - klassische Bösewichte seien die Figuren jedenfalls nicht. Wieder einmal zeigt sich Lebedews Fähigkeit, Traumata aus der russischen Geschichte auf eine höhere "poetische Ebene" zu heben, staunt die Kritikerin und findet Trost im Ausblick auf eine gewisse "metaphysische Gerechtigkeit" am Ende des Romans.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.08.2021

Rezensentin Cornelia Geißler erfährt, welches das stärkste Gift überhaupt ist: die Angst. Davon handelt Sergej Lebedews Roman von 2019, in dem der Autor subtil auf den Fall Skripal anspielt und geradezu prophetisch den Fall Nawalny vorwegnimmt, wie Geißler feststellt. Bemerkenswert scheint ihr der Text auch, weil der Autor kaum konkrete Koordinaten, Orts- und Zeitangaben braucht, um die nahezu grenzenlose Macht russischer Geheimdienste zu verhandeln. Wie Lebedew mit Mitteln des Spionagethrillers über Geschichte und Politik schreibt, ist für die Leserin zwar nicht immer leicht zu konsumieren, meint Geißler, doch die Aussage des Romans ist dennoch klar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2021

Rezensentin Katrin Doerksen ist fasziniert von Sergej Lebedews Roman über ein Nervengift als politische Waffe gegen einen übergelaufenen KGB-Offizier und die sich anschließende Paranoia. Mit starken Bildern und Ideen und zwei wohl aufeinander abgestimmten Handlungsfäden erzählt der Autor laut Doerksen von verdrängter russischer Vergangenheit, zieht eine Linie von Stalin zu Putin und erzählt Zeitgeschichte auf eine derart leicht verklausulierte Weise, dass der Leser die realen Vorbilder erkennt und fehlende Informationen leicht ergänzen kann.  Der Fall Skripal etwa kommt der Rezensentin beim Lesen in den Sinn, auch Alexej Nawalnyi. Wie der Autor "hässliche" Zeitgeschichte in schwebende Literatur verwandelt, findet Doerksen beeindruckend.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.07.2021

Sergej Lebedews als Agentenroman angelegtes Buch ist weit mehr als ein Genrestück, meint Rezensent Christoph Schröder. Der russische Autor erzählt hier von einem aus der Sowjetunion nach Ostdeutschland geflohenen Chemiker, der einst im Auftrag der Regierung an der Entwicklung eines tödlichen Gifts mitwirkte und nun von einem martialischen Leutnant des russischen Geheimdiensts verfolgt wird. Schröder lobt den Roman für seine "bedrohliche" Atmosphäre, spannenden Szenen und starken Nebenfiguren wie beispielsweise ein ostdeutscher Pfarrer, der lange von der Stasi bespitzelt wurde. Nur manchmal wird es dem Rezensenten etwas zu "existentialistisch dräuend". Ein aufschlussreicher Gegenwartsroman über sowjetische Wissenschaftsgeschichte, in dem der tödliche Showdown am Schluss zur Erlösung aus einer ideologisch kontaminierten Existenz wird, schließt Schröder beeindruckt.