Shlomo Avineri

Herzl

Theodor Herzl und die Gründung des jüdischen Staates
Cover: Herzl
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783633542758
Gebunden, 361 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva-Maria Thimme. Das moderne Israel verdankt sich als Idee und realisiertes Projekt wesentlich einem Mann und seinem Werk: Theodor Herzl. Der Journalist und Romancier, Visionär und Politiker verknüpfte literarische Inspiration mit politischer Organisation, den utopischen Entwurf mit der realen Vorbereitung eines eigenen jüdischen Staates. In seiner umfassenden Biografie trägt Shlomo Avineri Dokumente aus Herzls Tagebüchern, seinen Artikeln und Briefen wie seinem Roman Altneuland zusammen und widerlegt die gängige Ansicht, die Dreyfusaffäre sei der Wendepunkt für Herzls Idee eines eigenen jüdischen Staates gewesen. Ausschlaggebend waren vielmehr die politischen Erschütterungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie mit ihren erstarkenden Nationalismen und ihren zunächst untergründigen, dann immer mehr aufbrechenden Auseinandersetzungen. Das alte Europa am Ende des 19. Jahrhunderts hat den Staat Israel, der ein halbes Jahrhundert später entstand, vorgezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2016

Shlomo Avineris Biografie über Theodor Herzl scheint dem Rezensenten Hans-Christian Rößler gut geeignet, um Herzl näherzukommen. Allerdings weniger dem Menschen als dessen Ideen, fügt Rössler hinzu. Schnörkellos und erhellend findet er Avineris auf Basis der Tagebücher verfasste Darstellung, die mit dem ein oder anderen Irrglauben aufräumt, wie er schreibt. Dass Herzl in Avineri einen gerechten Biografen gefunden hat, bezweifelt er nicht. Der Autor holt Herzl vom Denkmalsockel und zeigt ihn als verzweifelten Intellektuellen und Utopisten, erklärt Rößler.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2016

Thomas Meyer ist ein Mann der Ausgewogenheit, er verbindet jede kritische Andeutung mit einer positiven und in der Sache hält er sich raus. Shlomo Avineri schätzt er als wichtige Persönlichkeit des akademischen Lebens in Israel, dessen Herzl-Biografie nennt er klassisch, gravitätisch. Neue Quellen erschließe Avineri nicht, entwickele auch keine großen neuen Thesen, sondern belasse es bei einleuchtenden Deutungen, erklärt der Rezensent, der hier Herzl aus der "ideengeschichtlichen Vogelperspektive" als "unentwegten Beweger" beschrieben findet. Vorsichtshalber empfiehlt der Rezensent noch ein zweites Buch zu Herzl, nämlich die beherzte Debatte "Herzl reloaded" zwischen Doron Rabinovici und Natan Szaider.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.02.2016

Kevin Zdiara liest die Biografie über Theodor Herzl aus der Feder des israelischen Politikwissenschaftlers Shlomo Avineri mit Gewinn. Ausgeglichen im Urteil, weder die enormen Anstrengungen Herzls auf dem Weg zum jüdischen Staat noch seine Vorstellungskraft noch seine Egozentrik unterschlagend, malt ihm Avineri anhand von Herzls Tagebüchern und Werken ein entmythologisiertes Lebensbild. Dass Herzl die Araber in Palästina als Partner gesehen hat, vermag der Autor dem Rezensenten ebenso deutlich zu machen wie Herzls frühes Engagement für den Zionismus, das Avineri der Leserin kurzweilig und im historischen Kontext darbietet, wie Zdiara schreibt.

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