Aus dem Französischen von Lena Müller. Eine junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Dort soll sie sich erklären: Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht - und ist angewidert vom System, deren Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute ist sie fremd - als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2015
Einen sehr zornigen Roman hat Shumona Sinha geschrieben, erklärt Claudia Kramatschek, die in ihrer Kritik Sympathie für die Autorin nur durchscheinen lässt. Sinha erzählt in "Erschlagt die Armen!" von einer Dolmetscherin in einer französischen Ausländerbehörde, die der Rassismus der Franzosen ebenso ankotzt wie die gefälschten Geschichten und der Chauvinismus der Asylsuchenden. Es ist auch Sinhas eigene Geschichte, die sie hier erzählt. Die Sprache ist provokant und manchmal "sehr verliebt in das eigene Wortspiel", so die Rezensentin. Eigentlich bekommen alle hier ihr Fett weg. Warum der Roman jedoch in Frankreich so viel Aufsehen erregte, dass Sinha in Folge ihren Dolmetscherjob verlor, versteht Kramatschek beim besten Willen nicht. Das sagt doch mehr über die französische Gesellschaft aus als über das Buch, findet sie.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 26.11.2015
Das Buch zur Stunde hat Rezensentin Marie Schmidt mit Shumona Sinhas bereits vor vier Jahren in Frankreich erschienenem Roman "Erschlagt die Armen" gelesen. Die in Kolkota geborene Schriftstellerin berichte hier von ihrer Arbeit als Übersetzerin im Amt für den Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen in Paris, berichtet die Kritikerin. Dass Sinha sich lediglich auf Asylbewerber aus Bangladesh beschränke, tue der Aktualität des Buches keinen Abbruch, meint Schmidt, die gebannt nachliest, wie die an die Autorin angelehnte Erzählerin des Romans tagtäglich mit Wirtschaftsflüchtlingen verhandelt, die sich ihr Asyl durch falsche Papiere und gefälschte Berichte von politischer Verfolgungen erschwindeln wollen. Die Rezensentin lobt vor allem die klare Gerechtigkeit und die unsentimentale Empathie, mit der die Autorin auch von ihren eigenen Zweifeln schreibe.
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